Der Mensch entdeckt das Metall

Das Metallzeitalter

Die frühen Menschen unterschieden sich von verwandten Arten vor allem durch eine gezielte Herstellung und einen systematischen Gebrauch von Werkzeugen. Dazu verwendeten sie verschiedene Materialien aus ihrer Umwelt – Steine, aber auch Knochen, Holz und Horn. Mit dem Feuer bekamen sie dann erstmals Energie in die Hand. Schon vor mindestens 1 1/2 Millionen Jahren hatte vermutlich Homo erectus bereits glimmende Holzstücke aus Blitzeinschlägen und Buschbränden genutzt, um ein Lagerfeuer zu unterhalten und rohe Nahrung durch Erhitzen besser kau- und verdaubar zu machen. Homo sapiens lernte schließlich, Ton und Metallerze mit Hilfe des Feuers zu bearbeiten.

Metall mit seinen außergewöhnlich Eigenschaften erschloss als „treibende Kraft“ neue Siedlungsräume, ließ neue Werkzeuge, neue Statussymbole und Waffen hervorbringen – verbunden mit neuen Hierarchien und Konflikten -, und ließ ein überregionales Handels- und Kommunikationsnetz entstehen. Ohne die Entdeckung der Metallproduktion wäre die Menschheit in der Steinzeit stehen geblieben und die heutige Zivilisation nicht denkbar.

Keramik

Der höchst plastische und formbare Ton kommt fast überall vor. Ob durch Zufall oder ein gezieltes Experiment: Spätestens vor 27 000 Jahren kneteten moderne Menschen den feuchten Ton zu einer Form und legten ihn ins Feuer. Es entstand ein extrem widerstandsfähiges, steinhartes Material: Keramik, der erste künstliche Werkstoff der Geschichte. Anfangs modellierten unsere Vorfahren vor allem Figuren. Auf dem Gebiet des heutigen China entdeckten die Menschen, dass man auch Gebrauchsgegenstände aller Art produzieren konnte: Töpfe zum Kochen und Gefäße zur Aufbewahrung von Vorräten und zur Sicherung vor Ungeziefer. Ostasien scheint ab 20 000 v. h. ein Zentrum der Töpferkunst gewesen zu sein.

In Afrika kam die Keramik vor 12 500 bis 11 500 Jahren auf dem heute zur Sahelzone gehörenden Dogon-Plateau auf. Die Menschen lebten hier in einer Vorstufe zu einer Ackergesellschaft und waren schon zeitweise sesshaft. In der Sahara und im Niltal verfügten die Einheimischen seit 11 000 bis 10 000 Jahren über das Wissen, Ton zu brennen und das Schrumpfen der Rohformen durch „Magerung„, also mineralische Zusätze, zu verhindern. Im „Fruchtbaren Halbmond“ tauchten vor 9000 Jahren plötzlich an vielen Orten Keramikgefäße in erstaunlicher Perfektion auf, so dass spekuliert wird, dass sie aus irgendeinem Zentrum früher Töpferkunst, vielleicht gar aus dem Fernen Osten, stammten.

Ab etwa 8000 v. h. spricht man vom „Keramischen Neolithikum“ , in dem alle Komponenten zur Herstellung von Keramik voll entwickelt waren. Am Indus war die Töpferscheibe erfunden worden, eine kreisrunde waagerechte Fläche, die sich um eine zentrale Achse dreht. Anfangs handelte es sich nur um eine langsam drehende Scheibe, die auf einem Tisch lag. Sie ermöglichte es aber schon, Keramikgefäße in nie gekonnter Schnelligkeit zu fertigen. Der große Durchbruch kam vor spätestens 5300 Jahren mit der schnell drehenden Töpferscheibe. Keramik wurde zur Massenware.

Die allerersten Tonwaren hatten die Menschen noch im Lagerfeuer oder in Brenngruben bei rund 800°C erhitzt. Später konstruierten sie Brennöfen, zunächst mit nur einer Brennkammer, dann mit getrennten Kammern: In der einen Kammer loderte der Brennstoff, in der anderen glühte die Keramik. Mittels gezielter Luftzufuhr etwa durch Zuglöcher konnten die Brennbedingungen in den Öfen präzise gesteuert und Temperaturen von 1100°C erreicht werden.

Kupfer

Vieles spricht dafür, dass die Produktion von Keramik auch die Nutzung von Metall möglich machte. Metalle kannte Homo sapiens wahrscheinlich schon in seiner Jäger- und Sammlerzeit: Glänzende Goldkörner waren ihm sicher schon früh im Sand von Flussbetten oder zwischen den Steinen ausgewaschener Berghänge aufgefallen. Vor mehr als 12 000 Jahren wurden Menschen z. B. in Anatolien, das besonders reich an Erzlagerstätten ist, auf Steine aufmerksam, die in der Sonne grün oder blau glitzerten: Malachit und Azurit, zwei Kupferkarbonate. Sie benutzten die Gesteinsbrocken, um Farbstoffe zum (Be)Malen zu gewinnen und Ornamente herzustellen. Später begannen sie, mit ihnen zu experimentieren.

Bald fanden sie heraus, dass sie das Material besser formen konnten, wenn sie die Brocken ins Feuer warfen. Das erhitzte Material bearbeiteten sie dann mit ihren Steinwerkzeugen und hämmerten daraus Schmuckgegenstände wie Perlen und Ringe, Stichel oder Keulenköpfe. Das älteste bisher gefundene bearbeitete Kupferstück ist ein ovaler Anhänger aus Shanider, einer Höhlenanlage im nördlichen Irak, datiert auf 11 500 Jahre vor heute. Auch in Göbekli Tepe, einer gewaltigen Kultanlage in Anatolien aus etwa der gleichen Zeit, gab es schon erste Kupfergegenstände.

Die Metallurgie nahm aber erst im 9. Jahrtausend in Anatolien richtig Fahrt auf, als man begann, Kupfer mittels Schmelzen, Erhitzen und Hämmern zu formen. Aus der Zeit zwischen 8500 und 7200 v. h. gibt es immer mehr Kupferfunde im Vorderen Orient. Der Keulenkopf von Canhasan in der Türkei, vor über 8000 Jahren mühevoll gehämmert, ist eine der ältesten erhaltenen Waffen aus Metall. Es dauerte aber einige tausend Jahre, bis sich nicht nur die die Kenntnis der Kupferbearbeitung, sondern vor allem auch dessen Gewinnung aus in Felsen eingeschlossenen Erzen durchsetzte und verbreitete. Nun war man nicht mehr auf das nur spärlich vorhandene gediegene Kupfer (mit anderen Elementen verunreinigtes Kupfer) angewiesen, sondern konnte das Metall aus dem Gestein gewinnen.

Möglicherweise hat ein anderes Metall, nämlich Blei, den Weg zur Kupferherstellung gewiesen, wie einige Bleikügelchen aus dem türkischen Catalhöyük, 8500 Jahre alt, oder ein nicht viel jüngerer, im heutigen Irak gefundener Armreif aus Blei beweisen. Genauso wir Zinn ist Blei ein „weiches“ Metall. Es ist leicht schmelzbar (Schmelzpunkt: 347°C) und daher auch leicht in einem offenen Feuer – Herd- oder Lagerfeuer – in Metall umzuwandeln. Kupfer dagegen hat einen Schmelzpunkt von exakt 1083°C, rund 200° höher als die Temperatur eines normalen Feuers.

Kupfererz kommt in der Natur häufig vor. Ab 7500 v. h. wurde es gezielt abgebaut – zunächst an verschiedenen Orten im Vorderen Orient, wie z. B. bei Akaba in Jordanien. Eine Methode für die Erzgewinnung war das „Feuersetzen„: Holzfeuer machten das Gestein mürbe, so dass es leicht mit speziell geformten Schlägeln abgeschlagen werden konnte. Beim Schmelzen der Erze entstanden dickflüssige Metalle, wobei ein Großteil an der Schlacke kleben blieb. Auch bildeten sich bei diesem Prozess Luftblasen, die das gegossene Metall spröde und brüchig machten.

Einige Völker des Nahen Ostens begannen schon bald mit Schmelztechniken zu experimentieren. Man baute Tontiegel, die konstante Schmelzbedingungen lieferten. Endlich entstand eine Schmelze, in der sich Kupferkügelchen absetzten. Dennoch blieb der Aufwand enorm. In Anatolien und angrenzenden Regionen gelang Spezialisten ein entscheidender Durchbruch auf dem Weg zum Metallzeitalter. Sie entwickelten vor etwa 7000 Jahren das Prinzip der Verhüttung.

Eventuell waren es sogar Töpfer, die als erste mit kupferhaltigem Gestein experimentierten, indem sie es in ihre Brennöfen legten wie ihre Tongefäße. Vielleicht gerieten aber auch Erzstücke zufällig hinein. Die geschlossenen Öfen ermöglichten eine gleichmäßige Erhitzung und höchste Temperaturen bis 1000°C. Um die Temperaturen noch höher zu treiben, setzten die frühen Metallurgen Blasrohre ein. Düsen aus Lehm, auf die Blasrohre aufgesetzt, konnten mitten in die Flamme geführt werden und schützten das Rohr vor dem Verbrennen. Das ständige Blasen hielt die Temperatur stundenlang auf dem erforderlichen Höchstwert.

Zur Verhüttung von Kupfererz bedurfte es weiterer spezieller Fertigkeiten. Je nach den Beistoffen, z. B. Schwefel, Antimon oder Arsen, musste man unterschiedlich vorgehen. Um die Oxidation des Kupfers zu verhindern, wurde Holzkohle zugesetzt, die beim Verglühen Kohlenmonoxid bildet und den Sauerstoff entzieht. Das flüssige, gut formbare Kupfer ließ sich in alle denkbaren Formen gießen, wozu man vor allem Hohlformen aus Keramik benutzte. Im anatolischen Mersin verfertigten vor ca. 7000 Jahren Schmiede eine Beilklinge, einen Meißel und mehrere Gewandnadeln – die ältesten Objekte aus einem Metall, das Menschen aus Erzen gewonnen hatten.

Siedlungen in der Nähe von Kupferminen, z. B. in der Region Fenan im heutigen Jordanien, entwickelten sich zu Bergbauzentren. Damals fand schon ein weiträumiger Handel mit wertvollen Metallobjekten statt. Gleichzeitig wanderte das Wissen um die frühe Metallurgie vom Vorderen Orient über den Balkan nach Westen. Europas erste Kupferbergwerke, in denen Erz im Tagebau abgebaut wurde, entstanden im heutigen Serbien und Bulgarien, wo auch vermutlich die älteste Kupferverhüttung auf dem Kontinent stattfand.

Im nördlichen Mitteleuropa und mittleren Osteuropa zeigen einige der Keramikgefäße der Trichterbecher-Kultur (etwa 6200 bis 4800 v. h.) aufgrund der Verzierungen, dass sie wohl metallenen Gefäßen nachgebildet wurden. Auch Äxte aus Feuerstein oder anderen Steinarten wurden vermutlich nach dem Vorbild eines Metallstücks geschaffen. Metall selbst konnten die Menschen dort noch nicht verarbeiten. Dennoch entdeckten Archäologen Geräte aus reinem Kupfer und sogar Goldschmuck, wohl Importe aus Südosteuropa. Die folgenden Glockenbecherleute verfügten dann schon über das Wissen, Kupfer zu schmelzen und zu verarbeiten.

In Europa blieb das Wissen über Bergbau, Verhüttung und Verarbeitung von Kupfer zunächst auf den Balkan und den Mittelmeerraum beschränkt. In Mitteleuropa begann der unaufhaltsame Siegeszug des Kupfers vor über 6000 Jahren. Die Alpen entwickelten sich mit ihrem reichen Metallvorkommen zu einem Zentrum des Bergbaus, der zu einem wichtigen Faktor für die Besiedlung des gesamten Alpenraums wurde. Ötzi, die berühmte, 5300 Jahre alte Gletschermumie aus dem Ötztal, hatte ein Kupferbeil bei sich, das mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Rohkupfer der oberösterreichischen Lagerstätten hergestellt wurde. Verarbeitet wurde das Kupfer wohl in oberitalienischen Schmieden.

In Amerika wurde die Metallverarbeitung unabhängig von der Alten Welt entwickelt. Kupferartefakte aus Süd- und Mittelamerika und den heutigen Vereinigten Staaten datieren auf eine ähnliche Zeit wie ihre Pendants aus Asien und Europa: ca. 7000 Jahre vor heute. Hinweise auf eine organisierte Metallurgie finden sich in Südamerika allerdings erst in der Zeit vor 4000 Jahren.

Die Technologie der Metalle hatte die Steinzeit abgelöst – die zweite große Revolution in der Entwicklung des Menschen. Zum ersten Mal in der Geschichte war er in der Lage, geheimnisvolles Metall in edles Metall umzuwandeln – ein Wunder in der damaligen Zeit. Schon vor über 7000 Jahren war der Feuerstein (Silex), aus dem bis dahin die meisten Werkzeuge und Waffen gefertigt wurden, zur Mangelware geworden und es hatte erste Versorgungsprobleme gegeben. Eine Zeitlang noch existierten die beiden Werkstoffe Feuerstein und Kupfer nebeneinander, bis der Feuerstein am Ende des 5. Jahrtausends v. h. endgültig von der Bronze verdrängt wurde.

Die Gesellschaft veränderte sich. Die Handwerkskünste entstanden, und in Mesopotamien, zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, wuchsen die Städte. Vor mehr als 6500 Jahren entstand hier das erste Klassensystem der Menschheit. An der Spitze der Hierarchien standen regionale Eliten, die große Mengen von Metall aus fernen Gebieten und Städten erwarben. Als Abzeichen ihrer Würde wählten sie Schmuck und Waffen aus Metall. Später wurden erstmals Konflikte um Ressourcen und Transportwege mit organisierter Gewalt in großem Stil ausgetragen. Beispiele sind die Kriege zwischen Hamoukar und Uruk oder zwischen den sumerischen Stadtstaaten Lagasch und Umma.

Zwischen Kupfer- und früher Bronzezeit

Mit der Kupferverhüttung wurden schließlich die technologischen Grundlagen gelegt für eine Bevölkerungszunahme. Kupferwerkzeuge erwiesen sich im Alltag als überlegen gegenüber solchen aus Stein oder Holz. Allerdings nutzen sie sich rasch ab, verbogen und zerbrachen leicht. Ab etwa 5000 v. h. experimentierten die Schmiede daher mit Legierungen, um Werkzeuge und Waffen härter zu machen. So setzte man z. B. Arsen der Kupferschmelze zu. Die sogenannte Arsenbronze floss leichter in die Gussformen. Allerdings musste die Arsenmenge fein dosiert werden, sonst wurde das Produkt spröde und splitterte leicht – eine ziemliche Herausforderung für Menschen, die nicht wussten, was ein chemisches Element ist.

Arsen entzieht der Schmelze Sauerstoff, indem es sich mit ihm verbindet und als Arsenoxid verdampft. Schwerter, Pflüge und Beile, aus Arsenbronze geschmiedet, waren dadurch härter und hielten länger als ihre rein kupfernen Gegenstücke. Mit dem Hammer bearbeitet, blieben die Gegenstände auch viel länger scharfkantig. In einer Höhle am Toten Meer fand man 429 alte Objekte, 5000 Jahre alt, die fast alle aus Kupfer und Arsen bestanden. Die Kupfer-Arsen-Legierung wurde in Ägypten bis zum Mittleren Reich (ab etwa 4100 v. h.) verwendet.

Irgendwann jedoch brach die Beimischung von Arsen zum Kupfer ab, denn die Arbeit mit dem Halbmetall war schlichtweg gefährlich. Der Dampf, der dabei entstand, enthielt Arsenoxid und war giftig. Beim Einatmen der Gase kam es dadurch häufig zu Nervenschäden, die manchmal auch zu Lähmungen führten. Der griechische Gott der Schmiedekunst, Hephaistos, wird hinkend dargestellt – aus der kollektiven Erinnerung an Handwerker, die durch den Kontakt mit Arsen bei ihrer Arbeit gelähmt worden waren.

Bronze

Frühbronzezeit

Bei ihren Experimenten mit verschiedenen Gesteinsarten hatten Schmiede auch das Zinn entdeckt. Ob völlig zufällig oder planmäßig erhitzten sie es eines Tages zusammen mit Kupfer. Der Zusatz erniedrigte den Schmelzpunkt merklich, wodurch die Gewinnung der Legierung erleichtert wurde. Zinn schmilzt bei einer Temperatur von 232°C, Kupfer bei 1083°C. Der Schmelzpunkt für Rohkupfer mit Zinn vermischt liegt bei 950°, also unterhalb des Schmelzpunktes von Kupfer. Das Endprodukt war eine Metalllegierung namens Bronze (oder Zinnbronze). Man fand heraus, dass das ideale Mischverhältnis neun oder zehn Anteile Kupfer zu einem Anteil von Zinn beträgt.

Die Zinnbronze schloss im Gegensatz zum Kupfer keine Sauerstoffblasen ein und blieb durch den niedrigeren Schmelzpunkt länger flüssig. Sie ließ sich leichter gießen, verteilte sich besser in der Gussform und füllte auch die Ecken aus. So war es möglich, größere und kompliziertere Gegenstände zu gießen, z. B. Schwerter und Schmuckstücke. Außerdem wurden giftige Arsendämpfe vermieden, an denen sicherlich nicht wenige Schmiede gestorben sind.

Die durch das Zusammenschmelzen von Zinn und Kupfer erhaltenen Bronzen erwiesen sich als wesentlich härter und nicht so brüchig wie Bronzen aus Kupfer und Arsen und hatten eine faszinierende Farbe: sie glänzten seidig gelb (bis gelbbraun), fast wie Gold. Gegenwärtig nimmt man an, dass die Bronzetechnologie vielerorts und zeitlich versetzt entstand. Vermutlich waren es die Ägypter, die als erste die epochale Erfindung machten. Ihre Dolche aus Kupfer und Bronze aus der Zeit ab etwa 5000 v. h. scheinen aber meist zeremonielle Funktionen gehabt zu haben und waren oft stark verziert. Archäologen entdeckten frühe Bronzeobjekte auch in der Region vom westlichen Anatolien bis zum Persischen Golf.

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China hatte nie etwas, das man als „Kupferzeit“ bezeichnen könnte; dort folgte auf die Steinzeit fast unmittelbar die Bronzezeit. Die Kenntnis zur Herstellung der Zinnbronze kam wahrscheinlich über die Seidenstraße und brachte einen Aufschwung in der Landwirtschaft. Einige der ältesten in China gefertigten Bronzeartefakte werden auf 5100 bis 4700 v. h. datiert. Erlitou, eine Kultur aus dem Tal des Gelben Flusses (4000 bis 3500 v. h.), bekannt für ihre Palastbauten und Schmelzhütten, gilt oft als eigentlicher Ursprung der chinesischen Bronzemetallurgie. Von Südchina kommend breitete sich Ende des 4. Jahrtausends v. h. die Bronzetechnologie in Südostasien aus und erreichte um 3000 v. h. das Mekong-Delta und die Südspitze des südostasiatischen Festlands.

Die frühesten chinesischen Bronzen (vor allem rituelle und ästhetische Objekte) entstanden mit Hilfe der Formguss-Methode, die gänzlich anders war als das Wachsausschmelzverfahren, das von den meisten Bronzezeit-Zivilisationen optimiert wurde. Beim Bronzeguss wird ein Modell des zu gießenden Objekts und dann eine Tonform darum erstellt. Die Form wird in verschiedene Teile geschnitten, um das Modell freizugeben, bevor die Form wieder zusammengesetzt und gebrannt wird. Ist der zu gießende Gegenstand ein Gefäß, werden Kerne in die Form gegeben, die für Hohlräume sorgen. Dieses Verfahren ist viel komplexer und ineffizienter, besaß in den Augen der chinesischen Bronzearbeiter aber einen entscheidenden Vorteil: Dekorative Muster konnten vor dem Brennen direkt in die innere Oberfläche geschnitzt oder gestempelt werden, so dass sehr feine Designs entstehen konnten.

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Erstmals stand dem Menschen in größerem Umfang ein Stoff zur Verfügung, den er selbst – oft mit unsäglichen Mühen – hergestellt hatte. Seit Mitte des 5. Jahrtausends v. h. trat die Zinnbronze endgültig ihren Siegeszug an. Zwar fanden in allen Regionen noch viele Jahrhunderte Geräte und Waffen aus Stein Verwendung – doch mit der massenhaften Bronzeproduktion begann eine neue Epoche, in der die menschengemachten Werkstoffe das Leben immer stärker durchdrangen. Der zuvor nur in Ansätzen existierende Fernhandel vervielfachte sich – auf einem weit gespannten Netz von Handelsrouten konnte man theoretisch in gerade einmal 40 Tagen weit entfernte Gegenden erreichen. Zunächst wurden vor allem Prestigegüter, z. B. edle Schmuckstücke wie Ringe, Ketten und Dolche als Statussymbole, unter gesellschaftlichen Eliten gehandelt.

Nördlich der Alpen scheinen Bronzegüter um 4200 v. h. ihren Einzug gehalten zu haben – in Skandinavien noch etwas später. Mit dem unverwüstlichen Metall ließ sich Reichtum erstmals horten und zur Schau stellen. In großen Teilen Mitteleuropas dienten nun Halsringe aus Bronze (und Kupfer), deren Enden zu Ösen eingedreht waren, sogar als eine Art Zahlungsmittel. Aber erst allmählich kam die Bronzezeit schließlich nach Europa. Reisende Handwerker, z. B. Schmiede, dürften das Wissen um die Verarbeitung des Metalls weitergegeben haben.

Die frühen Schmiede genossen in der Gesellschaft eine herausgehobene Wertschätzung. Für die bronzezeitlichen Menschen erschienen sie als Magier, die mit den Göttern im Bunde stehen: Sie bändigten das Feuer und verarbeiteten einen der Erde abgerungenen Rohstoff zu Produkten, die man in der Natur nicht findet. Viele Völker widmeten ihnen einen eigenen Gott.

Die neuen bronzenen Werkzeuge lieferten den Menschen, die zum größten Teil vom Ackerbau lebten, immer bessere Erträge. Während die Bauern der Jungsteinzeit nur wenig mehr als den eigenen Bedarf erwirtschaftet hatten, konnten sie nun reichere Ernten einbringen und damit auch mehr Menschen versorgen. Das ermöglichte wiederum Arbeitsteilung und Spezialisierung, die gerade im Bergbau unerlässlich waren, da sich die vielfältigen Arbeiten weder von ungelernten Kräften noch saisonal ausführen ließen. Die Folge war ein regelrechtes Wirtschaftswunder, verbunden mit einem starken Anwachsen der Bevölkerung. Es folgte eine noch ausgeprägtere Aufteilung des Gesellschaften in verschiedene soziale Schichten.

Der überregionale Fernhandel und Güteraustausch mussten organisiert werden. Einzelnen Männern gelang es, Kontrolle über die Ströme der begehrten Rohstoffe zu bekommen und Profite zu machen. Wer die Bergwerke und Schmelzöfen, Verkehrswege und Umschlagplätze kontrollierte, konnte es zu bedeutendem Wohlstand, verbunden mit hohem Ansehen und Macht, bringen. Es gab nun Herrscher und Beherrschte, Arme und Reiche. Die Mächtigen jener Zeit residierten vermutlich an den Knotenpunkten der Handelsrouten oder unweit wichtiger Rohstoffvorkommen.

In Mesopotamien, Anatolien und Ägypten, wo bereits vor der „Erfindung“ der Bronze Hochkulturen entstanden waren, wirkte der neue Werkstoff als Katalysator des Wandels. Mit den Bronzebeilen ließen sich mächtige Bäume fällen und damit u. a. Schiffe mit mehr Ladevolumen und größerer Reichweite bauen. So blühte mit dem Aufkommen des neuen Metalls auch der Seehandel über das Mittelmeer auf und es gelangten immer mehr metallene Rohstoffe und Fertigwaren in Umlauf. Häfen entstanden, größere Siedlungen, Handelsmetropolen wie Troja und Ugarit. Die Ägäis beispielsweise erlebte ab etwa 4000 v. h. im Glanz der Metalle einen außergewöhnlichen zivilisatorischen Schub, zunächst auf der Insel Kreta, dann auch auf dem griechischen Festland.

Zu den frühesten Bronze-Kulturen in Mitteleuropa zählt die Aunjetitzer Kultur, in der die Menschen schon über reiche Kenntnisse in Guss- und Verzierungstechnik verfügten. Diese Kultur, die sich in ihrer frühen Zeit von Mitteldeutschland bis in die heutige Westslowakei und nach Niederösterreich erstreckte und sich später noch weiter ausdehnte, war irgendwann um 4300 v. h. aus der Assimilierung der Glockenbecherleute und der einheimischen Bevölkerung hervorgegangen. Um 4000 v. h. entstand im heutigen Thüringen das vielleicht erste Staatswesen nördlich der Alpen. Die Fürsten, die hier das Geschäft mit der Bronze kontrollierten und über eine Vielzahl von Kriegern verfügten, sorgten über Jahrhunderte in der Region für Frieden, befehligten Schmiede und Arbeiter, die für sie gewaltige Grabmonumente errichteten. Sie waren vor allem durch den Salzhandel zu Macht und Reichtum gekommen.

Der steigende Wohlstand der Bronzezeit, das Bevölkerungswachstum und der Fortschritt, den der neue Werkstoff brachte, verlieh der Epoche lange einen goldenen Glanz. Er barg aber auch ein hohes Konfliktpotenzial, denn er weckte Neid und Begehrlichkeiten. Je größer die aufgehäuften Bronzemengen waren, desto lohnender erschien es, sie mit Gewalt fortzunehmen. Noch zu Beginn der Epoche hatten die Menschen in erster Linie Pfeil und Bogen als Waffen benutzt. Seit etwa 3500 v. h. fertigten die Metallurgen harte und feste Bronzeschwerter, die mit ihren messerscharfen Klingen erstklassig zur Kriegsführung geeignet waren. Erstmalig entstand eine Massenproduktion von Waffen. Regelrechte Armeen wurden aufgebaut, große Raub- und Eroberungszüge setzten ein, die zur Unterwerfung zahlreicher Volksstämme und zur Bildung riesiger Reiche führte.

In der späten Bronzezeit (s. u.) nutzte man die unterschiedlichen Qualitäten der Bronze. Die mit 6% Zinn hergestellte Weichbronze wurde zu Blechen geschlagen und für die Herstellung von Helmen, Brustpanzern und Beinschienen verwendet, während man klassische Bronze mit 10% Zinnanteil für Schwerter und Werkzeuge benutzte. (Je höher der Zinngehalt, umso mehr stieg die Härte der Bronze. Chinesische Bronzeschwerter hatten sogar bis zu 20% Zinnanteil, was sie auffallend scharf, aber auch spröde machte.)

Die Zeiten wurden also unsicherer. Zwar gab es schon früher Schutzwälle um die Orte, aber erst in der Bronzezeit kam es zum Bau ausgeklügelter Festungen, ummauerter Höhensiedlungen und zyklopischer Mauern wie in Tiryns und Mykene auf der griechischen Peloponnes. In Mitteleuropa oder im Karpatenbecken schützten sich Siedlungen durch Gräben und Palisaden, wobei die Eingänge womöglich noch durch Bastionen abgeschirmt wurden.

Mittel- und Spätbronzezeit

Mit der Zeit klaffte die soziale Schere in den bronzezeitlichen Kulturen immer weiter auseinander. Die Böden waren ausgelaugt, die Ernten fielen immer schlechter aus, soziale Konflikte waren die Folge. Es brachen unruhige Zeiten in Europa und im Mittelmeerraum an: An vielen Orten der einst prächtigen Kulturen loderten Brände, Siedlungen wurden aufgegeben, große Völkerbewegungen setzten ein. Der Ausbruch des Vulkans Thera (heute Santorin) in der Ägäis, eine der gewaltigsten Eruptionen der vergangenen Jahrtausende, gab möglicherweise den letzten Anstoß für den Kollaps der Kulturen.

Die Wissenschaftler sprechen von einem allgemeinen Systemzusammenbruch. Komplexe Systeme können sich zwar selbst regulieren, wenn sie unter Druck geraten. Sind die Veränderungen aber zu viele auf einmal, bricht das gesamte Netzwerk zusammen. Im Mittelmeerraum begann ab 3450 v. h. der Niedergang der minoischen Kultur auf Kreta, dem um 3200 v. h. das Ende der Mykener auf dem griechischen Festland folgte. Die Pharaonen in Ägypten mussten sich der sogenannten Seevölker erwehren, wie Hieroglyphentexte berichten. Das Großreich der Hethiter in Kleinasien verschwand vom Erdboden. Drei dunkle Jahrhunderte, während der sich ab Anfang 3200 v. h. eine 300-jährige Dürrephase ereignete (nur in der Levante kurz von einer etwas feuchteren Zeit unterbrochen), brauchte es, bis die Region erneut Hochkulturen hervorbrachte.

Auch in ganz Mitteleuropa endete die Epoche in Krieg und Chaos. Anscheinend hatten sich die sozialen Unterschiede eingeebnet, denn die Männer ließen sich jetzt mit dem Schwert unter kleinen Hügeln zur Ruhe betten. 300 Jahre später kam es erneut zu einem grundlegenden Wechsel der Bestattungsriten: die Toten wurden verbrannt und in Urnen beigesetzt. Die Menschen dieser Urnenfelderkultur (3300 bis 2500 v. h.), die wahrscheinlich zu den Vorfahren der Kelten gehören, errichteten ab etwa 3100 v. h. meist auf Hügeln liegende Festungsanlagen, die von Wällen, Gräben und Mauern geschützt waren.

In Tollense (heutiges Mecklenburg-Vorpommern) kam es um 3250 v. h. zu einer großen Schlacht, an der geschätzt 4000 Krieger teilnahmen. Bei den Toten fand man sogenanntes „Münzgeld„, eine Art Tauschwährung. Zu ihrer Herstellung benutzte man in der Spätbronzezeit Hackbronze – Altmetall aus Fehlgüssen, Waffenfragmente und Barrenstücke -, die mit einem Meißel nach Bedarf zerstückelt wurde.

Eisen

Manche Fachleute sind der Meinung, in jedem Teil der Erde habe es Eisen eher gegeben als Bronze. Jedenfalls kommt Eisen weitaus häufiger vor als Gold und Kupfer; sein Anteil an der Erdkruste ist fast tausendmal höher als der von Kupfer. Als Rohstoff in Form von Erzen war es fast überall verfügbar – und damit auch erschwinglich. Aber Eisen war ein schwer zu gewinnendes und zu verarbeitendes Material. Die komplexe Verhüttung und Aufreinigung des Rohmaterials verlangte ein hohes Maß an Erfahrung und eine Vielzahl einzelner Arbeitsschritte.

Früheste vom Menschen hergestellte Eisenobjekte sind fast 8000 Jahre alt. Eines der ersten stammt aus Samarra (Irak). Die meisten frühen Objekte wurden wohl aus Eisen hergestellt, das in Form von Meteoriten vom Himmel gefallen war. Diese enthielten das Metall in reiner Form. Man schlug kleinere Fragmente heraus und brachte sie durch Hämmern in Form. Eisenperlen aus Ägypten aus der Zeit um 5200 v. h. wurden wahrscheinlich auf diese Weise hergestellt, ebenso ein Dolch aus dem Grab des Pharaos Tutanchamun oder 3400 Jahre alte Axtblätter ugaritischer und chinesischer Herkunft.

Der eigentliche Beginn der Eisenzeit ist mit der ersten regelhaften Nutzung des Eisens verbunden. Sie setzte in vielen Gebieten zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten ein. Warum der Siegeszug der Bronze nach fast 1500 Jahren endete, kann gut daran gelegen haben, dass die Knappheit an Bronze die Menschen quasi in die Eisenzeit hineindrängte. Ursache könnte das Versiegen der Zinnquellen oder der Zusammenbruch des Zinnhandels gewesen sein. So stieg man auf Eisen um, das fortan die Bronze in immer mehr Bereichen ersetzte.

In Japan tauchten Bronze und Eisen fast gleichzeitig auf. Umstritten ist unter den Historikern, ob auch Korea eine Bronzezeit erlebte. In Afrika gab es weder eine Kupfer-, noch eine Bronzezeit. Hier kam vermutlich die Eisenmetallurgie zuerst auf. Die Nok-Kultur im heutigen Nigeria begann vor 3000 Jahren mit der Herstellung des Metalls mit Hilfe von Rennöfen, in denen Eisen nur reduziert, nicht aber geschmolzen wurde. Den Öfen entnahm man die sogenannte Luppe, ein fester Eisenschwamm, der immer noch Schlackenreste enthielt. Schmieden bei 900 bis 1300°C verdichtete den Schwamm und verschweißte ihn, so dass die unerwünschten Bestandteile herausgequetscht werden konnten.

Die Hethiter hatten bereits in der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends v. h. regelmäßig Waffen aus Eisen benutzt, was als eine der Ursachen für ihren Aufstieg zur Macht in der Region angeführt wird. Aber es sollte noch eine Weile dauern, bis Eisen die Bronze vollständig ersetzte. Das Wissen über die Verarbeitung des Eisens wanderte über Griechenland nach Mitteleuropa – 2800 v. h. begann hier die Eisenzeit – und von dort weiter. Dabei ist häufig zu beobachten, dass zuerst Eisenobjekte importiert, anschließend nachgemacht und schließlich erfolgreich selbst hergestellt wurden. Bedeutende Eisenzentren in Mitteleuropas befanden sich vor allem am Bodensee und im Alpenvorland. Durch die Umstellung von der Bronze- auf die Eisenproduktion verschob sich das Machtgefüge. Siedlungen, die über Lagerstätten und das notwendige Wissen zur Eisenherstellung verfügten, gewannen an Einfluss. Es kam wieder zu Veränderungen in der Gesellschaft, Sitten und Bräuche wandelten sich. Aus der Urnenfelderkultur ging die Hallstattkultur hervor, mit der das Zeitalter der Kelten anbrach. (In Ostasien begann die Eisenzeit vor 2500 Jahren.)

Einen enormen Aufschwung nahm die Eisenproduktion vor allem, als man herausgefunden hatte, wie sich Eisen zu Stahl härten ließ. Dazu musst man in einem weiteren Arbeitsschritt dem Metall bestimmte Mengen Kohlenstoff hinzufügen. Herrscht nämlich im Ofen ein Überschuss an Kohlenstoff, der nicht mehr für die Reduktion gebraucht wird, kann sich eine Eisen-Kohlenstoff-Legierung bilden. Es entstand so der begehrte, da härtere und leichter zu schmiedende Stahl. Es ließen sich Werkzeuge und Klingen von noch größerer Schärfe und Beständigkeit herstellen. Mit der Erfindung des Stahls war das Ende des Bronzezeitalters endgültig besiegelt.

Fast alle Gebrauchsgegenstände wurden fortan aus Eisen hergestellt. Da die Eisengewinnung Kohle benötigte, setzte eine vermehrte Rodung der Wälder ein, auch in solchen Landstrichen, die bis dahin wegen fehlender Kupfervorkommen verschont geblieben waren. Die „Kultursteppe“ griff weiter um sich. Es ist allerdings fraglich, ob der Mensch diese Zusammenhänge damals begriffen hat, denn es handelte sich ja um sehr langsame Entwicklungen.

REM

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