Alkohol entsteht als Stoffwechselprodukt, wenn Hefen oder Bakterien Zucker abbauen. Alkoholkonsum führt beim Menschen zur Ausschüttung von Dopamin und Endorphinen, was Glücksgefühle und Entspannung hervorruft. Ebenso fördert das Teilen von Alkohol soziale Bindungen zu knüpfen und zu stärken.
Die Menschen haben schon vermutlich früh in ihrer Entwicklungsgeschichte Alkohol konsumiert, indem sie überreife Früchte, in denen der Gärprozess schon eingesetzt hatte, zu sich nahmen. Wissenschaftler meinen, dass sie das als Gruppe taten, um die Gemeinschaft zu stärken und sich sozial aneinander zu binden. In Westafrika (im Cantanhez-Nationalpark in Guinea-Bissau) wurden wilde Schimpansen dabei beobachtet, wie sie vergorene Früchte des Afrikanischen Brotfruchtbaums (Okwabaum) verzehrten und miteinander teilten. Dass Primaten Alkohol vertragen, dürfte auf eine Anpassung eines entsprechenden Enzyms bei gemeinsamen Vorfahren vor ca. 10 Millionen Jahren zurückgehen.
Homo sapiens begann dann irgendwann, alkoholische Getränke aktiv herzustellen, meist aus Fruchtsäften oder Getreide, seltener auch aus Honig oder Milch. Dabei war schon der Anblick fermentierender Substanzen wohl ein mystisches Erlebnis, meint der Archäologe Patrick McGovern: „Das Blubbern der Kohlensäure und die bewusstseinsverändernde Wirkung der Getränke ließ die Menschen in der Steinzeit vermutlich denken: Eine höhere Macht kommuniziert durch das Getränk mit uns.“ In größeren Mengen konsumiert hatten die Steinzeitmenschen das Gefühl, Göttern und Geistern nahe zu sein. Alkohol dürfte die älteste Droge sein, die seit prähistorischen Zeiten für religiöse Riten verwendet und bei kultischen Handlungen konsumiert wurde – weitestgehend zunächst wohl nur von Schamanen und Ältesten.
Der Rausch gehört wie Trance und Ekstase zu den veränderten Bewusstseinszuständen, die oft lustvoll, aber auch bedrohlich erlebt werden. Durch den Rausch nimmt beispielsweise der Schamane Kontakt zu parallelen Welten auf. Er ging auf eine „spirituelle Reise„, auf der er den „Atem der Geister“ spürte. Möglicherweise sind Musik, Höhlenmalerei und Schamanismus erst durch Rauschzustände entstanden.
BIER
Anfänge
Die Entstehung von Bier aus einem Getreidebrei und Wasser passiert auf natürliche Weise durch Wildhefen, die in mittleren geografischen Breiten und unter bestimmten Witterungsverhältnissen allgegenwärtig sind, beispielsweise auf Früchten und Insekten. Zur aktiven Herstellung von Bier durch den Menschen war daher keine große Kunstfertigkeit erforderlich. So gehen die Forscher heute davon aus, dass eine bierähnliche Substanz das älteste vom Menschen produzierte alkoholische Getränk ist. Es war aber noch weit entfernt von dem, was wir heute unter Bier verstehen (wollen).
[Um die Spaltung der Stärke in Zucker zu beschleunigen, gibt es ein Hilfsmittel: Speichel! Das im Speichel enthaltene Ptyalin wandelt die pflanzliche Stärke in Zucker um. Ungesäuertes Brot schmeckt nach einigem Kauen süß, weil es kräftig durchgespeichelt wurde. Es genügte also, eine geringe Menge Körner zu zerstampfen und reichlich Wasser und etwas Speichel hinzuzufügen: Die alkoholische Gärung entstand von selbst. In Amazonien und an den Hängen der Anden Südamerikas erzeugen die Indios bis in unsere Gegenwart auf diese Weise aus einem stärkehaltigen Brei das „Spuckebier“ Chicha.]
Wann der Mensch das älteste und vermutlich wichtigste alkoholische Getränk seiner Geschichte entdeckte, darüber gehen die Meinungen der Forscher auseinander. Bier wurde vermutlich bereits in Vorderasien getrunken, als die Menschen noch nicht in festen Dörfern lebten und Äcker bestellten. Einige Forscher nehmen an, dass die Ursprünge der Bierproduktion bis zu 13 700 Jahre zurückliegen. Die Höhle Rafeqet südlich von Haifa (Israel) diente Menschen der Kultur des Natufien (14 500 bis 12 000 v. h.) als Grabstätte, wo Tote auf einer von Blumen und Pflanzen bedeckten Plattform beigesetzt wurden. In zwei 40 bis 60 Zentimeter tiefen Gruben war Getreide gelagert worden, eine dritte diente wohl der Fermentation. Die Angehörigen der Gemeinschaft stellten hier wohl ein bierähnliches Getränk, vermutlich als Teil ihres Begräbniskultes, her.
Nach einer Theorie des Evolutionsbiologen Rudolf H. Reichholf war es das gemeinsame Trinken, das die Jäger und Sammler dazu brachte, Getreide anzubauen. Aus den Körnern Bier herzustellen war einfacher, als Brot zu erzeugen, denn man brauchte dazu kein Feuer und keinen Ofen. Es war auch nicht notwendig, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen. Bier kann auch mit vollem Gehalt an Spelzen entstehen und geschlürft oder mit einem Rohrhalm getrunken werden.
Bier hatte zudem eine angenehme Wirkung und war sogar nahrhafter: Durch die Gärung des Getreidebreis kommt es ganz von selbst zu einer Konzentration von leicht verdaulichen, ergiebigen Nährstoffen, so dass das Bier tatsächlich auch als Nahrungsmittel betrachtet werden kann. War es also die Kultivierung von bereits bekannten, stärkehaltigen Pflanzen zum Zweck der Vergärung und zur Gewinnung von alkoholartigen Getränken, die quasi nebenbei zur „Entdeckung“ von Brotgetreide führte?‘ ‚
In vielen Kulturen gibt es tatsächlich Indizien dafür, dass Getreide zuerst als Rohstoff für ein vergorenes Getränk genutzt wurde. Zwischen der ersten Nutzung von Getreide und der Herstellung von Brot scheint eine zeitliche Lücke von 5000 bis 6000 Jahren zu klaffen. Die Abfolge „erst Bier, dann Brot“ zeigt sich auch in der Sprache: Das indogermanische Wort ‚brauda‚ ist die Wurzel von ‚Brot‘ und ‚brauen‘ – aber ‚brauen‘ ist älter. Zudem ist es nicht der spätere Brot liefernde Weizen, sondern die Gerste, aus der auch heute noch das meiste Bier gebraut wird.
Bier wurde wohl bei großen kultischen Festgelagen konsumiert, zu denen Menschen von weither zusammenkamen. Womöglich wurden diese Treffen von religiösen Spezialisten (z. B. Schamanen) veranstaltet, die genau wussten, wie sie die kollektiven Rauschzustände erzeugen konnten, ohne dass das Ganze außer Kontrolle geriet. Die berauschende Wirkung des Alkohols konnte als „soziales Schmiermittel“ genutzt werden, um den Zusammenhalt zu stärken und Fremden die Aufnahme in die Gemeinschaft zu erleichtern.
So dienten auch die frühesten bekannten menschlichen Bauten eindeutig dem Feiern von Festen, wahrscheinlich zu Ehren der Ahnen und damit dem Kult. Im nordmesopotamischen Göbekli Tepe (in der Südtürkei) ließ günstiges Klima reichlich Gräser, z. B. wilde Gerste, wachsen. Die Jäger-Sammler-Ethnien feierten hier rund um die ältesten Tempelanlagen der Welt (vor bis zu 12 000 Jahren) große Feste, bei denen auch Getreideprodukte konsumiert wurden. Es gibt Hinweise, dass aus Gräsersamen ein Bier gebraut wurde, das Teil von Ritualen gewesen sein könnte.
Archäologen entdeckten z. B. Kalksteintröge mit Spuren von Kalziumoxalat – auch als Bierstein bekannt -, das beim Brauen als unerwünschtes Nebenprodukt entsteht. Damit könnten die Bottiche einen rituellen Bierkonsum belegen. Zudem entdeckten die Forscher Mahlsteine und steinerne Hohlräume für die Aufbewahrung von Getreidebrei und Bier.
Sesshaftigkeit
Die frühesten dauerhaften Siedlungen sind wohl aus Kultstätten wie Göbekli Tepe hervorgegangen, als die Einführung der Landwirtschaft noch in weiter Ferne lag. Bier war zunächst möglicherweise noch kein Alltagsgetränk, sondern hatte wegen der berauschenden Wirkung des Alkohols vor allem kultische Bedeutung. Nach Ansicht mancher Forscher war die Zeit, als die Menschen sesshaft wurden, auch die Geburtsstunde mancher frühen Religionsformen. Die Verbindung von Alkohol und Religion zieht sich seitdem durch die Geschichte der Menschheit.
China
Das älteste eindeutige Bier, aus einer Hirse-Art gebraut, wurde im 10. Jahrtausend v. h. im Sudan nachgewiesen. Zur selben Zeit fingen die Chinesen damit an, Reis zu domestizieren, um daraus Bier herzustellen. Es scheint so, dass in China bereits kurz nach dem Ende der Eiszeit die Kunst des Bierbrauens weit verbreitet war.
In Qiaotou (Südchina) existierte vor etwa 11 400 bis 8600 Jahren am Jangtsekiang die Shangshan-Kultur. In hier entdeckten Keramik-Gefäßen (etwa 20), auf 9000 v. h. datiert, entdeckte man Stärkekörner aus Reis und von der Chinesischen Perlgerste zusammen mit Spuren von Hefen und Schimmelpilzen. Nach Ansicht der Fachleute wurden bei der Herstellung des Bieres auch nicht vergärbare Pflanzenteile hinzugegeben, mutmaßlich um die Gärung (durch die an ihnen heftenden Hefen und Bakterien) zu unterstützen.
Die Alltagsgegenstände, die man in Qiaotou fand, deuten auf einen Ritualort hin, an dem während einer Beerdigung, wohl als Teil eines Totenkultes, Bier getrunken wurde. Das vergorene Getränk hatte wahrscheinlich deutlich weniger Alkohol als heutiges Bier, denn die Gärung war damals weniger effizient. Aufgrund es vielen Restzuckers war es zudem recht süß.
Mesopotamien
Die Forscher nehmen an, dass Bierbrauen auch in den folgenden Jahrtausenden eine wichtige Rolle spielte, doch Spuren gibt es kaum (einige allerdings nicht eindeutige in Mesopotamien und im Iran). Erst mit der Erfindung der Schrift mehren sich wieder die Belege. Auf Rollsiegeln und Weiheplatten sieht man Sumerer vor einem großen Topf sitzen und mit langen Strohhalmen Bier schlürfen. (Die Trinkrohre aus Schilf, oft mit einem Sieb aus Bronze an der Spitze, sorgten dafür, dass die Zechenden nicht den Spelz vom Boden zu sich nahmen.)
Zahlreich sind die Mythen, die sich um biertrinkende mesopotamische Göttinnen und Götter ranken. Die Göttin des Biertrinkens ist Ninkasi, der sogar eine eigene Hymne mit der Beschreibung der Bierherstellung gewidmet ist. Kleine sumerische Steintafeln („monument bleu„) zeigen die Göttin bei der Zubereitung von Opferbieren. Das deutet darauf hin, dass die ersten Bierbrauer in Mesopotamien wohl weiblich waren.
Im Gilgamesch-Epos ist von einem Bierbrot (wohl eine Art Hefeteig) die Rede, das die Gärung in einem Gärbottich in Gang bringen sollte. Des Weiteren wird vom Trocknen der Maische auf Schilfmatten berichtet. Der Hymnos der Göttin verrät auch, dass Honig und Wein beigegeben und das Gemisch gefiltert wurde, vermutlich durch ein Behältnis mit perforiertem Boden. In der mittleren und späteren Bronzezeit wurde in Mesopotamien Bier aber auch für den Hausgebrauch gebraut. Die Hausfrau rührte in großen Keramikgefäßen, die nahe am Herd standen, den Brei aus zermahlenem Malz und Wasser ein paar Mal um und wartete einige Tage, bis der Gärprozess begann. (Die notwendige Hefe stammte aus dem Rückstand des vorangegangenen Brauvorgangs.)
Viele Forscher glauben, dass sich Mesopotamien nicht ohne das Bier zur ersten Hochkultur entwickelt hätte. Spätestens vor 3500 Jahren stand hier das Bierbrauen auch Männern offen. Niemand aber durfte die Bierbrauer bei ihrer heiligen Handlung stören, selbst Könige nicht. Ging etwas daneben, bedeutete es den Tod des Braumeisters: Er wurde in seinem misslungenen Bier ertränkt.
Beliebt war das Bier nicht nur wegen seiner berauschenden Wirkung. Es war in der Hitze ein willkommener Durstlöscher und im Gegensatz zu Wasser wegen seines sauren Milieus frei von krankmachenden Keimen. Zudem war es mit vielen gesunden Vitaminen und Spurenelementen angereichert. Obst und Gemüse (Zwiebeln, Hülsenfrüchte, Granatäpfel und Datteln) waren damals rar und für eine gesunde Ernährung nicht in der notwendigen Menge vorhanden. So konnte Bier sogar zeitweise zu einem Grundnahrungsmittel werden. Je nach Anlass wurde es mit niedrigem (für Arbeiter) und hohem Alkoholgehalt (bei Festen) hergestellt. (Um einen stärkeren Alkoholgehalt zu erreichen, ließ man das Bier einfach länger gären.)
Neben dem Gerstentrunk gab es auch ein Bier auf der Basis von Emmer, einer Vorform des Weizens. Man unterschied zudem verschiedene Qualitäten: Biere, die sich nicht nur im Geschmack (unterschiedliche Süße), sondern auch in der Farbe („schwarzes“, „rotes“ oder „goldenes“ Bier) und dem Alkoholgehalt unterschieden. In Uruk (Süd-Mesopotamien) kannte man vor mehr als 5000 Jahren v. h. bereits mehr als neun Biersorten. Laut Überlieferungen aus dem folgenden Jahrtausend v. h. gab es damals in ganz Mesopotamien schon mindestens 20 Biersorten.
Es wurden sogar schon Geschäfte mit dem alkoholischen Getränk gemacht. In Tell Adadi am syrischen Euphrat entdeckten Forscher Braugefäße mit siebartig durchlöchertem Boden, die offenbar in großem Stil für den Verkauf hergestellt worden waren.
Ägypten
Der ägyptischen Mythologie zufolge soll Osiris, der Gott der Landwirtschaft, den Ägyptern die Bierherstellung (und auch den Weinbau) gelehrt haben. Eine Brauerei aus der Zeit des einflussreichen ersten Pharaos Narmer im alten Ägypten (um 5200 v. h.) bestand aus acht Untereinheiten von etwa 20 Meter Länge und 2,50 Meter Breite, von denen jede 40 Bottiche in jeweils zwei Reihen enthielt. In den tönernen Gefäßen wurde Getreide und Wasser aufgekocht. Darauf folgte das Vergären der sog. Maische. Das Bier diente hier vermutlich für königliche Opferrituale. Ab 5000 v. h. produzierten die Menschen in Ägypten (Abydos) auch schon Bier quasi im industriellem Maßstab. Dabei stand lange der Nährwert im Vordergrund, vor allem Vitamine und Spurenelemente (s. o.).
Mitteleuropa
Das älteste Bier Mitteleuropas könnte bereits im späten 6. Jahrtausend v. h. von den Seeufersiedlern am Bodensee gebraut worden sein. Damit hätten europäische Neolithiker das Bier fast gleichzeitig mit den Pharaonen getrunken. Da man aber den Gärprozess nicht wissenschaftlich belegen kann, könnte es auch sein, dass man mit dem in verkohlten Speisekrusten gefundenen Malz lediglich eine Suppe gesüßt hat.
Die Jamnaja, Träger der Schnurkeramiker-Kultur, die nach 4800 v. h. von der Ukraine bis nach Mitteleuropa vordrangen, konsumierten Produkte aus Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch, aber auch Stutenmilch. Vor allem vergoren, als Kumys, wurde die Stutenmilch offenbar sehr geschätzt. Kumys enthält nur noch wenig Laktose, dafür aber rund 1,6% Alkohol.
WEIN
In mindestens 40 000 Jahre alten Schichten entdeckten Archäobotaniker im heutigen Israel Überreste von Weintrauben. Aus der frühen Jungsteinzeit liegen bereits Belege vor, dass noch nicht sesshafte Völker die Beeren weiterverarbeiteten. Trauben sind frisch oder als Saft oder getrocknet als Rosinen sehr nährstoffreich. Wenn Saft zubereitet wird, kann daraus nach einigen Tagen automatisch Wein entstehen. Die Menschen entdeckten und schätzten wohl bald dessen befreiende Wirkung auf den Einzelnen und die einigende Wirkung auf die Gemeinschaft.
Wein spielte durch seine berauschende Wirkung eine tragende Rolle in Kunst und Religion. Spätestens mit der Sesshaftigkeit begann der eigentliche Weinanbau. Im Südkaukasus gehen die Ursprünge sogar bis auf 13 000 Jahre zurück. Von hier aus könnte sich der Weinbau weiter entwickelt und ausgedehnt haben. Die erste bekannte Traubenpresse, das älteste Weinrelikt überhaupt, stammt aus der Zeit vor ca. 10 000 Jahren (in Syrien). Der älteste Weinfund der Welt stammt aus dem chinesischen Ort Jiahu in der heutigen Provinz Henan, im Tal des Gelben Flusses. Die Rückstände des „Weines“ dort, der aus Reis, Honig und Früchten hergestellt wurde, werden auf 9000 Jahre datiert.
In Georgien (südlicher Kaukasus) entdeckten georgische und kanadische Wissenschaftler Keramikstücke, die aus der Zeit zwischen 8000 und 7800 v. h. stammen und zur Shulaveri-Shomutepe-Kultur (8. bis 7. Jahrtausend v. h.) gehörten. In den Poren der Scherben fand man Reste von Wein, der bislang älteste Nachweis von Beerenwein und Weinkultur in Vorderasien. (In 8000 bis 6000 Jahre alten Erdschichten wurden Traubenkerne entdeckt, die der Rebe Vitis vinifera angehören, von der nahezu alle heutigen Rebsorten abstammen.)
Die älteste bekannte Kelteranlage wurde im Iran im Zagros-Gebirge gefunden, nach heutigem Kenntnisstand 7400 bis 7000 Jahre alt. Große Gefäße legen nahe, dass die Menschen in ihnen Trauben gären ließen. Vergleichbare Funde aus Georgien und Armenien lassen vermuten, dass die Weinbauern der Steinzeit ihre Krüge in den Boden gruben. So behielt das Getränk eine konstante Temperatur, wodurch man den Wein konservieren konnte. Noch heute ist diese Tradition in Georgien zu beobachten: Weinbauern lagern den Rebensaft in Tonkrügen namens Qvevri und graben diese in den Boden ein – so wie ihre Vorfahren vor 8000 Jahren.
Der Weinbau breitete sich rasch im gesamten Nahen Osten aus. Bis ins 6. Jahrtausend v. h. lässt sich Kultivierung, Produktion und Handel des Weines zurückverfolgen. In Mesopotamien und Palästina begann der Anbau von Wein etwa 5500 v. h., in Ägypten 5100 bis 4700 v. h., auf Kreta ab 4400 v. h. Die Minoer kultivierten dort 3700 v. h. die ersten Edelreben. Wein war stärker als Bier und hatte einen weitaus höheren Stellenwert. Ihm wurde eine größere göttliche Kraft zugesprochen. Der Wein blieb zunächst den oberen Schichten vorbehalten, auch weil er länger aufbewahrt werden konnte. (Wein wird nach längerer Lagerung sogar besser.)
Der Honigwein Met ersetzte Wein und Bier in Regionen, in denen es (noch) keine Getreidekulturen gab und wo es für den Weinanbau zu kalt war. (Spuren fermentierten Honigs lassen sich bereits in Gefäßen der Glockenbecherkultur – etwa 4800 bis 3800 v. h. – nachweisen.)
Viele alte Kulturen schätzten also alkoholische Getränke, auch die im allgemeinen Verständnis ersten Hochkulturen (Mesopotamien, Ägypten, Indien und China), die an den großen Flüssen entstanden. Neben der Beschäftigung mit Getreideanbau und Viehwirtschaft wurden Bier oder weinartige Getränke, Met (aus Honig) oder Kumys (aus Stutenmilch) hergestellt. Hochprozentige Getränke kamen aber erst in der Neuzeit auf.
REM
