Die Milchstraße, Teil der Lokalen Gruppe

Die Milchstraße ist eine Spiralgalaxie, die ihren Namen der griechischen Mythologie verdankt: Göttervater Zeus wollte seinem Sohn Herkules, den er mit der sterblichen Königstochter Alkmene gezeugt hatte, die Unsterblichkeit verleihen und legte ihn deshalb seiner schlafenden Gattin Hera an die Brust. Diese erwachte von seinem heftigen Saugen und stieß ihn erbost von sich. Dabei spritzte die Milch aus ihren Brüsten und verteilte sich über den Himmel, wo sie fortan den „Milchkreis“ („Kiklos galaxias“) bildete. So erklärten sich die Menschen in der Antike das „mild schimmernde Band“, das sie am wolkenlosen Nachthimmel erblickten.

Die Milchstraße gehört zur Lokalen Gruppe von Sternensystemen, die wiederum Teil des Virgos-Superhaufens sind, in dessen Zentrum in rund 55 bis 65 Millionen Lichtjahren Entfernung von der Milchstraße eine der uns nächstgelegenen Massenansammlungen von Sternen, der Virgohaufen – benannt nach dem Sternbild, in dem er sich zum größten Teil befindet – liegt.

In der Lokalen Gruppe ist die Andromeda-Galaxie (M31) das größte Objekt, 45 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und um 40% größer als sie. Wahrscheinlich ist sie vor knapp 6 Millionen Jahren durch eine brachiale Kollision zweier Vorläufergalaxien entstanden. Zu den beiden großen Himmelsobjekten gesellen sich noch eine kleinere Spiralgalaxie (M33) sowie Tausende von Zwerggalaxien.

Die bekanntesten Zwerggalaxien sind die Große und Kleine Magellansche Wolke, von der Erde aus als verwaschene Lichtfleckchen leicht mit bloßem Auge am Südsternhimmel wahrzunehmen. Sie sind rund 160 000 bis 200 000 Lichtjahre entfernt und 20 000 bzw. 15 000 Lichtjahre groß. Die meisten Zwerggalaxien sind nahe Satelliten der Milchstraße oder des Andromeda-Nebels und umkreisen ihre jeweilige Muttergalaxie. Sie werden durch deren gravitativen Einfluss auseinander gezogen und werden irgendwann von ihr verschlungen.

Auch die beiden großen Spiralgalaxien befinden sich auf Kollisionskurs. In wenigen Jahrmilliarden werden sie sich treffen, denn während die Umgebung seit mindestens 3,7 Milliarden Jahren eine beschleunigte Expansion erfährt, überwindet die gesamte Lokale Gruppe mit ihrer Schwerkraft die kosmische Expansion. Mit der Zeit wird sie so in Zukunft zu einer isolierten Oase in den leeren Weiten des Kosmos.

Bis zu einem Abstand von 26 Millionen Lichtjahren von der Lokalen Gruppe bilden die meisten Galaxien eine Art Platte, das sogenannte „local sheet“ (Lokale Schicht oder Lokales Blatt). Unterhalb der Plattenebene liegen in einigem Abstand der Leo-Sporn, eine große fadenförmige Struktur von Galaxien, sowie die Galaxien der Antila- und Dorado-Wolken. Oberhalb der Ebene gibt es kaum etwas; dort herrscht der Lokale Leeraum, ein Blase im Universum.

Um uns die Größen- und Entfernungsverhältnisse im Universum zu veranschaulichen, kann man sich die Größe der Milchstraße als Bonbon vorstellen. In diesem Maßstab wäre die nächstgelegene große Galaxie M31, der Andromeda-Nebel, ein weiteres Bonbon in einer Entfernung von nur 13 Zentimetern. Die Entfernung zum nächsten Nachbarn, einer mit der Lokalen Gruppe vergleichbaren kleineren Galaxiengruppe, der sogenannten Sculptor-Gruppe, betrüge 60 Zentimeter. Und in nur drei Metern Entfernung würden wir eine riesige Ansammlung von etwa 200 Bonbons finden, jedes Einzelne eine Galaxie von 100 Milliarden Sternen, die über das Volumen eines Basketballs verstreut wären: der Virgohaufen. Der nächste große Galaxienhaufen wäre dann 20 Meter entfernt. Es würde sogar entferntere Galaxienhaufen geben, deren Durchmesser bis zu 20 Metern groß sein können. Das gesamte sichtbare Universum, so weit wir es mit unseren Teleskopen wahrnehmen, passte in eine Kugel von einem Kilometer Durchmesser – bei der Verwendung des Maßstabs, in dem die Milchstraße die Größe eines Bonbons hat.

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