Gefahr aus dem Erdinneren

         Plumes und Hotspots

Ausbruch des Laacher Sees

Vor über 13 000 Jahren erschütterte eine Vulkaneruption, die gewaltigste in Mittel- und Westeuropa innerhalb der letzten 100 000 Jahre, die Eifel, Teil des Rheinischen Schiefergebirges im Westen Deutschlands. Der Ausbruch war wesentlich größer als der des Mount St. Helens in den USA im Jahre 1980. Asche, Lava und Gesteine wurden in die Höhe geschleudert. Die Aschesäule stieg in nicht einmal einer Stunde 40 Kilometer hoch in die Stratosphäre.

600°C heiße Glutlawinen und Ascheströme breiteten sich mit hohen Geschwindigkeiten aus. Um den Vulkan lagerte sich Lockermaterial in einer 30 Meter hohen Schicht aus Tuff (hellem Gestein aus Vulkanasche) und Bims (poröses Lavagestein) ab. Schließlich wurde die gesamte Eifel unter einer fünfzig Meter hohen Ascheschicht begraben. In der Atmosphäre driftete die Asche sogar bis nach Schweden und Norditalien.

Das ausgeschleuderte Material versperrte dem Rhein an der Mündung des Brohlbachs den Weg und ließ einen riesigen Stausee von mindestens 140 Kilometer Länge entstehen. Der spätere Bruch des Damms muss eine über zehn Meter hohe, verheerende Flutwelle (Tsunami) ausgelöst haben, die bis in die Nordsee schwappte. Als sich die Magmakammer des Vulkans geleert hatte, brach ihre Decke ein und es bildete sich die Caldera, in der sich heute der Laacher See befindet.

Verantwortlich für den verheerenden Vulkanausbruch war der sogenannte Eifel-Plume, der hier zwischen 45 und 400 Kilometer tief im Erdmantel liegt.

Plumes

Plumes („Rauchfahnen“) sind eine Art irdischer Kamine, in denen geschmolzenes Gestein tief aus dem Erdmantel von der Hitze getrieben nach oben steigt wie Rauch durch einen Schornstein. Im Aufstrombereich bildet es eine pilzförmige Blase.

Verursacht werden Plumes (im Fachjargon „Mantelplumes„) möglicherweise durch Teile ozeanischer Kruste (Erdplatten), die an Subduktionszonen abgetaucht und bis hinab an den unteren Rand des Erdmantels gelangt sind und sich dort angesammelt haben. Im Laufe von vielen hundert Millionen Jahren bilden sich durch die Heizung des äußeren Erdkerns oder durch Phasenübergänge des Gesteins heiße Blasen („Hot Blobs„). Sie besitzen die Konsistenz eines Knetgummis und haben einen Durchmesser von rund 300 bis 1000 Kilometern.

Diese Plumes steigen pulsartig im Erdmantel auf – wie Blasen in einem Topf kochenden Wassers, allerdings deutlich langsamer. Sie bahnen sich mit einem Tempo von nicht mehr als zehn Zentimetern im Jahr den Weg durch das Gestein des Erdmantels, und machen so den Weg frei für weitere vom Erdkern aufgeheizte Massen. Dreißig bis fünfzig Millionen Jahre brauchen die Plume-Köpfe, bis sie die Obergrenze des Erdmantels erreichen. Allerdings verwundert es, dass die Plumes oberhalb einer Tiefe von rund 1000 Kilometern teils nicht mehr gerade verlaufen, sondern abbiegen und seitlich versetzt ihren Aufstieg fortführen, möglicherweise aufgrund einer Zustandsänderung des Materials, verursacht durch abnehmenden Druck und sinkende Temperatur. Unter der Erdkruste verbreiten sich die Plumes pilzartig. Aus ihrem Material können an der Erdoberfläche Vulkane gespeist werden.

Hotspots

Wo die glutflüssigen Gesteinsmassen (weit über 1100°C heiß) an der Oberfläche ankommen, sprechen Geologen von einem Hotspot (heißen Fleck). Hier drückt das glühende Material unerbittlich von unten gegen die Erdkruste und wölbt sie an dieser Stelle nach oben. Inzwischen weiß man, dass viele Hotspots genau über dem Rand von Plattengräbern liegen, andere befinden sich über deren Mitte.

Da die kontinentale Kruste aus Granit recht gut isoliert – viel besser jedenfalls als die dünne ozeanische Kruste aus Basalt -, fließt das Magma seitlich ab oder kann relativ nahe unter der Oberfläche (ca. 50 Kilometer) stecken bleiben. Im letzteren Fall sammelt es sich in kilometergroßen Kammern an und kann unter Umständen langsam abkühlen und erstarren. Nach Millionen von Jahren haben sich auf diese Weise feste Gebirgsarten daraus gebildet, die an die Oberfläche gepresst werden können. Man kennt solche freigelegten Magmakammern mit geringer oder keiner Vegetation u. a. von den Polargebieten. Besonders ausgeprägt sind sie in den Dry Valleys in der Antarktis, wo kein Baum und kein Strauch auf den Ablagerungen wächst.

Die meisten Hotspots unter den Ozeanen waren oder sind vulkanisch aktiv. Das Magma schmelzt hier die basaltische Erdoberfläche an und brennt sich schließlich durch die Kruste. Diese Vulkanausbrüche verlaufen still und ruhig: Die heiße Masse aus dem Erdinneren wird tropfenförmig nach oben gepresst, flüssige Lava tritt aus und erkaltet – neue Erdkruste entsteht. Im Meer wachsen die Vulkanberge zu beträchtlicher Größe und können nach einiger Zeit sogar mehrere tausend Meter über den Meeresspiegel aufragen. So wurden Inseln hervorgebracht, wie etwa die Kanaren und Azoren im Nordatlantik oder Madagaskar und die Hawaii-Inseln. Madagaskar ist vermutlich eine junge Erhebung, die sich offenbar erst innerhalb der letzten zehn Millionen Jahre entwickelt hat.

In der Erdgeschichte sind schon gewaltige Mengen Lava aus den durch Plumes entstandenen Vulkanen ausgetreten. Man geht davon aus, dass auf diese Art mindestens 10% der gesamten Erdoberfläche ein Stempel aufgedrückt wurde, vielleicht sogar 40%! Mehrere Dutzend von relativ eng begrenzten vulkanisch aktiven und tief im Erdmantel verankerte Regionen sind über den Globus verteilt. Insgesamt haben die Wissenschaftler bisher fast 50 Hotspots identifiziert.

Entstehung eines mittelozeanischen Rückens

Manchmal schmelzt ein Plume einen ganzen Kontinent von unten an – oft an einer Schwächezone in der Kontinentalplatte – und dünnt ihn aus. Die heißen Strömungen üben zusammen mit anderen tektonischen Kräften an dieser Stelle eine Zugspannung auf das Gestein aus. Im weiteren Verlauf bildet sich ein Grabenbruch oder Rift Valley. In dessen Senke ergießt sich bei Vulkanausbrüchen die Lava und erstarrt zu Basalt.

Die tektonischen Kräfte ziehen die beiden Seiten des Riffs weiter auseinander und der Graben senkt sich weiter ab. Schließlich gelangt er unter den Meeresspiegel, so dass er überflutet wird und sich im Laufe langer Zeit ein neuer Ozean bildet. Die Vulkane des Grabenbruchs bilden dann den ozeanischen Rücken, an dem fortwährend neue Erdkruste zwischen den beiden auseinanderdriftenden Bruchstücken des alten Kontinents entsteht. Genau so könnte z. B. vor 135 Millionen Jahren der Mittelatlantische Rücken entstanden sein, der heute Afrika und Südamerika voneinander trennt (und ebenso Nordamerika und Europa).

Vielleicht spielen Hotspots also eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Platten. Ob allerdings Plumes einen Einfluss auf die Bewegung der riesigen Kontinentalplatten haben, ist unklar. Jedenfalls dürfte er gering sein.

Neue Vorstellung

Das Konzept der Plumes steht heute auf dem Prüfstand. Immer mehr Untersuchungen belegen, dass die klassische, über 50 Jahre alte Hotspot-Theorie so nicht stimmen kann. Inzwischen sind selbst die beiden grundlegenden Eigenschaften, die Plumes haben sollen, in die Schusslinie geraten: nämlich dass sie von ganz tief unten, der Kern-Mantel-Grenze, aufsteigen und dass ihr sichtbarer Teil, der Hotspot, ortsfest ist.

Ungefähr jeder zweite Hotspot, so wurde mittlerweile festgestellt, ist nicht heiß genug, um mittels Auftrieb aus dem tiefen Erdmantel aufzusteigen. Manche Forscher halten es für denkbar, dass die absinkenden Ozeanplatten sich direkt oberhalb der sogenannten D“-Schicht, dem untersten Teil des Erdmantels, ablagern oder auch irgendwo mitten im Erdmantel stecken bleiben. Sie könnten dort heiße Materie verdrängen, die dann als Plume zur Erdoberfläche gelangt – und nur die heißesten Hotspots hätten ihren Ursprung an der Kern-Mantel-Grenze. Denkbar scheint allerdings ebenso, dass klassische Hotspots auf dem Weg nach oben manchmal stecken bleiben und abkühlen, oder die vermeintlich kühlen Plumes klein sind, und ihre Temperatur deswegen unterschätzt wird.

Dass Plumes tief aus dem Erdmantel aufsteigen, scheint also zwar weiterhin denkbar. Doch ihre Quellregion müsste umherwandern oder die aufsteigende Magmasäule durch Fließvorgänge im Mantel (Konvektionsströmungen) verbogen werden. Modellrechnungen legen jedenfalls nahe, dass Hotspots ein paar Millimeter im Jahr weiterwandern können. Von den rund 50 bekannten Hotspots gelten inzwischen allenfalls noch sieben als ortsfest. Bald könnte es kein einziger mehr sein.

Dass mit dem Gesetz der Ortsfestigkeit etwas nicht stimmen kann, war schon länger aufgefallen. Denn es ist unmöglich, das Puzzle der Kontinente im Laufe der Erdgeschichte immer wieder so zusammenzusetzen, dass die Lage der Hotspots fest bleibt.

Platten und Hotspots wandern also gleichermaßen, und wir sehen den kombinierten Effekt beider Vorgänge. Alles, was aus dem alten Konzept abgeleitet wurde – von der Klimageschichte bis zur Wanderung der Pole -, enthielt somit Fehler. Beispielsweise bestimmten Geologen auf der Basis ortsfester Hotspots die ehemaligen Positionen der Pole. Demnach sollte sich die Stelle, an der die Erdachse aus dem Globus ragt, in den letzten 130 Jahren um bis zu 20° gedreht haben. Die neuen Funde widersprechen dem: Statt der Pole sind nur die Hotspots gewandert.

Wandernde Inselvulkane

Wenn nach vielen Jahrtausenden der Lavanachschub für einen Hotspot-Vulkan versiegt, schrumpft er, bis er irgendwann wieder unter dem Meeresspiegel verschwindet. Längst hat sich bis dahin der Hotspot selbst bereits etliche Kilometer entfernt und erneut durch die Erdplatte geschweißt: Ein neuer Vulkan ist entstanden und damit eine neue Insel. So können im Laufe von Jahrmillionen ganze Inselketten entstehen, wie beispielsweise die Galapagos-Inseln.

Auf dem Pazifikboden bilden auch die Inseln von Hawaii das Ende einer Vulkankette (5800 Kilometer lang), der sogenannter Hawaii-Emperor-Kette, die bis vor die russische Halbinsel Kamtschatka hinaufreicht. Nach der alten Vorstellung lag der zugehörige Hotspot die ganze Zeit unveränderlich bei etwa 19°N, während die Pazifische Platte um etwa 10 Zentimeter pro Jahr Richtung Nordwesten darüber hinwegdriftete. Er lag aber vor rund 75 Millionen Jahren auf der Breite von 75°N – weit entfernt von seiner heutigen Position.

Innerhalb der letzten 80 Millionen Jahre wurde an diesem Hotspot ein Vulkan nach dem anderen aus dem Meeresboden gebrannt. Der älteste Vulkan der gesamten Kette, vor rund 80 Millionen Jahren aktiv, ist der Detroit Seamount in der Nähe der Halbinsel Kamtschatka. 35 Kilometer südlich von Hawaii ist der Unterseevulkan Loihi bereits drei Kilometer hoch gewachsen. Noch tausend Meter bis zur Wasseroberfläche – und die nächste Insel der Hawaii-Kette wird geboren.

Vor etwa 47 Millionen Jahren änderte die Vulkankette offenbar plötzlich ihre Bewegungsrichtung und bog in einem 60°-Winkel nach Südosten ab. Ursprünglich erklärten sich die Geologen diesen Knick damit, dass sich die Bewegung der Pazifischen Platte abrupt geändert hat. Auslöser dieses Abbiegens könnte die Izanagi-Platte gewesen sein, die einst zwischen Hawaii und Japan die Pazifische und die Eurasische Platte voneinander trennte. Ihre letzten Reste verschwanden vor rund 47 Millionen Jahren endgültig in der Tiefe. Als dieser Widerstand verschwunden war, könnte eine andere Platte die Pazifische Platte umgelenkt haben. Zusammen mit der Richtungsänderung der Pazifischen Platte erklärt die Hotspot-Wanderung den Knick in der Vulkankette noch besser. Trotzdem ist vieles noch unklar.

Weitere Plumes

Plumes findet man zum Beispiel auch unter dem Ätna, der Eifel, Island und der Insel Reunion. Die Vulkaninsel Reunion östlich von Madagaskar ist der Hotspot, der einst das Dekkan-Trapp-Plateau in Indien entstehen ließ. Damals bewegte sich der Subkontinent über den neu entstandenen Mantelplume, der gewaltige Eruptionen verursachte (s. u.). Heute noch ist die Blase aus heißem und geschmolzenem Gestein in abgeschwächter Form noch aktiv und speist den Vulkanismus auf Reunion.

Der Vulkanismus in der Eifel begann schon vor 50 Millionen Jahren. Die meisten Vulkane brachen vor 45 bis 35 Millionen Jahren aus, bevor es wieder vor einer Million bis 10 000 Jahren erneut brodelte. Der Vulkanismus der Osteifel, dem Gebiet um den Laacher See, begann vor 650 000 Jahren. Es gab drei Ausbruchsphasen mit jeweils wenigen größeren explosiven Ereignissen und zahlreichen harmloseren Eruptionen, bei denen Hunderte kleiner Aschekegel entstanden. Dazwischen beruhigte sich der Untergrund für 100 000 Jahre oder länger.

Der Yellowstone-Supervulkan besitzt zwei Magmakammern und hat bei seiner letzten großen Eruption vor 630 000 Jahren – der dritten innerhalb von 1,5 Millionen Jahren – den gesamten Südwesten der heutigen USA unter einer bis zu 400 Meter hohen Ascheschicht begraben. Durch den Einsturz der Erdkruste über den sich leerenden Magmakammern entstand ein riesiger Krater. Unterhalb der Caldera sammelt sich bis heute glühendes Magma aus dem Erdinneren. Davon zeugen heiße Quellen und spektakuläre Geysire im (darüber gelegenen) Yellowstone-Nationalpark.

Zwischen 1923 und 1985 hob sich die Caldera um etwa 70 Zentimeter, danach senkte sie sich allerdings wieder. Seit 1995 steigt ihr Boden erneut – und zwar in Rekordtempo. Möglicherweise dringt neue Gesteinsschmelze von unten in die ehemalige Magmakammer ein. Allerdings droht in naher Zukunft kein Ausbruch, da erst 35 bis 50% an Magma vorhanden ist, das für eine Eruption notwendig wäre.

Vor 55 Millionen Jahren stieg eine Blase, der sogenannte „Isländische Blob“ auf, die aber größtenteils nicht an die Oberfläche gelangte, sondern sich unterhalb der tektonischen Platten ringförmig unter dem Nordatlantik ausbreitete. Wie eine riesige Welle drückte sie dabei den Meeresboden kurzzeitig nach oben. Die Quelle des heißen Gesteins war wahrscheinlich der Hotspot, der sich heute unter Island befindet. Damals befand sich wahrscheinlich Grönland über dem Hotspot.

Der wandernde Blob unter dem Nordatlantik könnte dafür verantwortlich gewesen sein, dass vor 55 Millionen Jahren die Temperaturen kurzzeitig um 4 bis 5°C weltweit anstiegen und am Nordpol Palmen wuchsen und sich Krokodile tummelten. Denn er hatte den Meeresboden nach und nach angehoben, wobei größere Mengen an Methanhydrat im Meeresboden zerfallen sein könnten. Methan und sein Zerfallsprodukt Kohlenstoffdioxid gelangten so in die Atmosphäre und erwärmten sie – mit drastischen Folgen: Viele der damals bekannten primitiven Säugetierarten verschwanden von der Erde. Unter den Gewinnern des Klimawandels waren die Primaten, also unsere Vorfahren.

Der Hotspot unter Island pulsiert nach wie vor. Genau darüber befindet sich der Mittelatlantische Rücken, der hier über die Wasserfläche hinausragt. Dieser ozeanische Rücken hat das Zentrum des Aufstroms also gleichsam überfahren – nur Island mit dem Vatnajökull-Gebiet als Zentrum des Vulkanismus ist quasi hinter der allgemeinen Bewegung zurückgeblieben – warum ist noch unklar.

Superplumes

Verschiedene kleine Plumes können sich zu besonders riesigen pilzartigen Paketen heißen Gesteins vereinigen, sogenannten Superplumes. Diese können einen ganzen Kontinent nach oben drücken und bis zu zwei Kilometer hohe Beulen verursachen. Sie können den Boden von unten aufschmelzen und merklich ausdünnen und sogar sprengen, wenn auch erst nach vielen Hundert Millionen Jahren. Heftiger Vulkanismus kann dann Unmengen dünnflüssiger Lava auswerfen und damit große Teile des Kontinents bedecken. Vielerorts auf der Erde findet man diese „magmatischen Großprovinzen„, Basaltablagerungen (Flutbasalte) von mehreren Millionen Kubikkilometern. In Sibirien entstanden Flutbasalte vor 250 Millionen Jahren, in Indien vor 65 Millionen Jahren (die Dekkan-Trapps) und im Westen der USA vor 14 bis 17 Millionen Jahren (Columbia-Plateau).

Flutbasalte könnten für die größten Katastrophen in der Erdgeschichte mitverantwortlich sein, als in kürzester Zeit jeweils ein großer Teil der biologischen Arten ausstarb. Denn bei solch verheerenden Vulkanausbrüchen gelangen auch Unmengen an klimawirksamen Gasen wie Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre. Sofern Eruptionen am Meeresgrund stattfanden, änderten sie die chemische Zusammensetzung des Meerwassers sowie die Meeresströmungen.

Nach dem Geophysiker Nazario Pavoni gibt es weltweit heute nur zwei große Aufstromgebiete. Diese heißen Zonen sollen jeweils eine halbe Erdkugel im Griff haben. Das eine ist der Pazifische Superplume im Südwestpazifik, das andere der Afrikanische Superplume.

Der Pazifische Superplume besitzt einen Durchmesser von mehreren Tausend Kilometern. Er soll dafür verantwortlich sein, dass vor etwa 700 Millionen Jahren der Superkontinent Rodinia zerbrach. Etwa gleichzeitig trennten sich Nordamerika, Südamerika und Afrika voneinander – vermutlich durch einen zweiten Superplume.

Vor etwa 300 Millionen Jahren waren alle Kontinente in dem Superkontinent Pangäa wieder vereinigt. Vor knapp 200 Millionen Jahren brach der Koloss für geologische Verhältnisse ziemlich rasch entlang der heutigen mittelozeanischen Rücken auseinander. Wahrscheinlich war auch hier ein gewaltiger Superplume dafür verantwortlich, dessen Strahl den Kontinent zerriss. (Zehn Millionen Jahre vorher war es auf den damals noch zusammenhängenden Kontinenten Nordamerika, Afrika und Südamerika zu gewaltigen Vulkanausbrüchen gekommen.) Die Bruchstücke des zerborstenen Kontinents entfernten sich allmählich voneinander, wobei sich zwischen ihnen entstandene Meeresarme schließlich zu Ozeanen erweiterten.

Der Afrikanische Superplume

Vermutlich war es der Afrikanische Superplume, der Pangäa aufbrechen und vor 150 Millionen Jahren auch Gondwana, den südlichen Teil Pangäas (aus den Kontinentalplatten von Südamerika, Afrika, Indien, Australien und Neuseeland) bersten ließ. Er erstreckt sich heute vom unteren Erdmantel aus etwa 1500 Kilometer nach oben und pilzt direkt unter dem südlichen Afrika und Südatlantik sternförmig auf. Sein Ursprung liegt in den Plattengräbern, die bei der Vereinigung Gondwanas entstanden.

Das südliche Afrika lag im Zentrum Gondwanas. Daher wurde der Mantel darunter weder damals noch in den Jahrmillionen seither von abtauchenden Platten gekühlt. Und so heizte er sich allmählich auf. In gewissem Sinn ist Indonesien der Gegenpol zu Afrika: Hier tauchten wie einst überall rund um Gondwana kalte ozeanische Platten in den Mantel ab und sorgen für Kühlung. Heute wird das asiatische Inselreich hinab gezogen, der schwarze Kontinent dagegen hochgedrückt.

Das riesige heiße Gebilde unter Afrika hat also genügend Auftrieb, um die Erdkruste in Afrika zu heben. Der ganze Kontinent scheint aufzugehen wie ein Hefeteig. Die hitzige Aufwallung kann ihre Kraft besonders wirkungsvoll entfalten, weil sie immer an derselben Stelle nagt. Denn die afrikanische Platte steht seit rund 25 Millionen Jahren still – ein ruhender Pol im weltweiten Geschiebe der tektonischen Platten. Seit fast 400 Millionen Jahren fand keine Plattenkollision mehr statt.

Magma, das keinen Weg weiter nach oben und durch die Erdkruste findet, fließt zur Seite ab und neues heißes Material aus der Tiefe strömt nach. Vom südlichen Afrika aus biegt der große Strom heißen Gesteins daher nordöstlich ab und endet unter Ostafrika. Beulenartige Strukturen, jeweils mehr als 1000 Kilometer weit, findet man sowohl in Uganda, Kenia und Tansania als auch im Afar-Dreieck, in Äthiopien und im Jemen. Der Hitzestau schafft es hier, die 40 Kilometer mächtige Gesteinskruste in Ostafrika mürbe zu machen und ausgeprägten Vulkanismus hervorzurufen.

Das Hochland von Äthiopien stieg vor 30 Millionen Jahren auf, als sich im Erdmantel darunter eine heiße Blase aus Gesteinsschmelze bildete, die zeitweise bis zur Erdoberfläche durchbrach. Eine Flut dünnflüssiger Lava ergoss sich in einem Umkreis von 500 Kilometern und schuf die Hochplateaus von Äthiopien, Somalia und Jemen. Seitdem existiert dieser Plume unterhalb der ostafrikanischen Region und wölbt das Gebiet empor, weshalb es seine relative Höhe ziemlich konstant hält. Mehr noch: Die horizontalen Konvektionsäste im Mantel, die radial vom Plume fortströmen, zerren am geschwächten Kontinent, bis sie ihn schließlich am Ostafrikanischen Graben auseinander reißen werden.

Der Afrikanische Superplume ist größtenteils für eine Anomalie im Indischen Ozean verantwortlich, eine besonders ausgeprägte Delle im Schwerefeld der Erde: der Indian Ocean Geoid Low (IOGL). Sie besteht aus heißem Material mit geringer Dichte, die aus dem Afrikanischen Blob fließt, und sich über mehr als drei Millionen Quadratkilometer etwa 1200 Kilometer südwestlich der Südspitze Indiens erstreckt. Wahrscheinlich nahm das Geoidtief seine heutige Form vor 20 Millionen Jahren an, als der Plume begann, sich im oberen Mantel auszubreiten. Sobald diese Strömung aufhört, wird auch das Tief verschwinden.

Eifel-Plume

Unter Mitteleuropa befindet sich in einem im Durchmesser rund 500 Kilometer großen Gebiet mit dem Zentrum unterhalb des Städtedreiecks Saarbrücken -Frankfurt-Stuttgart in einer Tiefe zwischen 660 und 2000 Kilometer ein Riesenplume, der einige andere europäische Plumes speist, darunter den Eifel-Plume. Dessen Vulkanismus ist bis heute nicht erloschen, was schwache Beben und eine anhaltende Hebung des Untergrund um ein bis zwei Millimeter pro Jahr belegen. Das Magma des Eifel-Plumes weist heute bis 400 Kilometer tief nach unten. Es gibt Indizien dafür, dass die Magmaproduktion hier weitergeht und das kristalline, aber zähplastische Gestein des Erdmantels sehr langsam aus der Tiefe nach oben steigt. Die ortsfeste Aktivität gilt daher als „recht müde„.

Wegen des gebremsten Nachschubs kann sich die Schmelze unter der Oberfläche über lange Zeiträume ansammeln und infolge der Abkühlung entmischen. Ständig blubbert daher Kohlenstoffdioxid aus der Tiefe nach oben – in einem jährlichen Umfang von rund 0,5 bis 1 Million Tonnen. Die Gase können einen Ausbruch explosiv machen. Sobald nämlich die Schmelze einen Weg an die Oberfläche gefunden hat, vermindert sich der Druck, und das zuvor gelöste Gas dehnt sich explosionsartig aus.

Irgendwann kann und wird es jedenfalls wieder zu Ausbrüchen kommen. Ob das allerdings in wenigen Monaten oder erst in 10 000 Jahren passiert, lässt sich derzeit nicht sagen.

REM

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