Bedeutung des Mondes

Der Mond ist das nach der Sonne hellste Objekt am Himmel, das mit seinen einzigartigen Helligkeits- und Phasenwechseln die Menschen seit Urzeiten in seinen Bann zieht. In alten Kulturen wurde der Erdbegleiter als Gott oder Göttin verehrt, oft als Gegenpol zur Sonne. So war der wichtigste Gott der Sumerer, Sin, der Vater aller Götter und Schutzgott der Stadt Ur (im heutigen Irak), eine Verkörperung des Mondes.

Stonehenge wurde so gebaut, dass damit die speziellen Positionen des Mondes vorhersagbar und bestimmbar waren. Auch in unseren Ritualen und kulturellen Zeremonien hat der Mond seinen Platz gefunden. Die Chinesen feiern seit altersher ein Mondfest. In ihrer Kultur steht der Mond für Frieden und Wohlstand, seine Rundung symbolisiert Ganzheit und Zusammengehörigkeit. Der islamische Kalender ist ein reiner Mondkalender, und das Ostern der Christen wird am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert.

Für einen Trabanten ist die Masse unseres Mondes relativ groß; sie beträgt gut ein Prozent der Masse der Erde. Alle anderen Monde in unserem Sonnensystem (mit Ausnahme des Plutobegleiters Charon) besitzen weniger als 0,025% der Masse ihres Planeten. Weil der Mond einen merklichen Bruchteil der Erdmasse besitzt, macht es mehr Sinn, sich vorzustellen, dass die beiden Himmelskörper um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen, der allerdings noch im Inneren der Erde liegt. Das Doppelsystem Erde-Mond umkreist seinerseits die Sonne und wird durch deren Anziehungskraft auf seiner Bahn gehalten.

Der Durchmesser des Mondes misst 3476 Kilometer, rund ein Viertel der Größe der Erde. In einem Abstand von heute 386 000 Kilometern (rund dreißig Erddurchmessern) rast der Trabant mit einer Geschwindigkeit von knapp 30 000 km/h um unseren Planeten. Seine Fliehkraft ist gerade so groß, dass sie einen Sturz auf die Erde, aber auch ein Entweichen in den Weltraum, verhindert.

Die Bahn des Mondes um die Erde ist allerdings keine reine Kreisbahn, sondern schwankt aufgrund mehrerer Einflüsse (vor allem der Gravitation anderer Himmelkörper des Sonnensystems). So war unser Begleiter beispielsweise am 30. Juli 1996 nur 356 970 Kilometer von der Erde entfernt, 51 000 Kilometer weniger als am erdfernsten Punkt circa zwei Wochen vorher (407 970 Kilometer).

Entstehung des Doppelsystems Erde-Mond

In der Frühzeit unseres Sonnensystems, nach neuesten radiometrischen Berechnungen vor 4,527 Milliarden Jahren, wurde der Mond geboren. Als plausibelste Ursache für seine Entstehung gilt heute die Kollision der Erde mit einem anderen Planeten von etwa der Größe des Mars, den man Theia nennt (nach der griechischen Göttin, die den Mond Selene geboren hat). Zur damaligen Zeit trieb eine Unmenge von kleinen und größeren Himmelskörpern durch das Sonnensystem. Die junge Erde hatte durch frühere Kollisionen bereits 90% ihrer endgültigen Größe und Form erreicht und nach einer ersten Abkühlungsphase gerade wieder eine relativ einheitliche Kruste gebildet. Die Kollision mit Theia war äußerst brachial; nach dem derzeit gültigen Szenario rasten beide Planeten mit einer Geschwindigkeit von etwa 54 000 km/h aufeinander zu. Theia traf den Vorläufer der Erde in einem spitzen Winkel, also seitlich, wie bei einem Streifschuss. Bei einem frontalen Aufprall wäre die junge Erde wahrscheinlich völlig zerfetzt worden.

Beide Planeten waren zum Zeitpunkt des Zusammenpralls bereits weitgehend differenziert, d. h. die Bildung ihrer Kerne war schon fast abgeschlossen und die Eisenanteile der Himmelskörper hatten sich schon als Schmelze hier angesammelt. Fast der gesamte Eisenkern von Theia blieb in der Urerde stecken. Sein flüssiges Eisen sank durch das aufgeschmolzene irdische Mantelgestein in die Tiefe und vereinigte sich (vermutlich innerhalb von ein paar Stunden) mit dem irdischen Eisenkern, der unversehrt geblieben war. Daher hat der Mond weniger Eisen als irgendein anderer fester Körper des Sonnensystems.

Der Mantel Theias sowie ein Teil des Erdmantels, insgesamt riesige Mengen von Material (mehrere tausend Grad heiß), wurden aus dem Erdkörper herausgeschleudert. Ein höherer Anteil des Theia-Gesteins , darunter möglicherweise bis zu 10 Milliarden kilometergroße Bruchstücke, erreichte die Fluchtgeschwindigkeit und wurde ins Sonnensystem hinausgeschleudert, wo etliche Brocken später wahrscheinlich mit Körpern des Asteroidengürtels zusammenstießen. Das übrige Material sammelte sich, gehalten von der Erdanziehung, in einer Wolke um die Erde.

Das erklärt die verblüffende chemische Ähnlichkeit zwischen Mond und Erdmantel: Die Anteile der chemischen Elemente stimmen auf dem Mond bis auf wenige Ausnahmen mit denen auf der Erde überein. Bei den Isotopen des Sauerstoffs sind Erde und Mond sogar fast nicht zu unterscheiden. Wahrscheinlich dauerte es nicht lange, bis sich aus der Wolke von Schutt und Staub der Erdtrabant geformt hatte und zu einer Größe herangewachsen war, die ihn in einer dauerhaften Umlaufbahn um die Erde hielt.

[Genauere Untersuchungen von Gesteinsproben sowie verbesserte Computersimulationen scheinen allerdings nicht mehr so gut in dieses Modell von einem gigantischen Einschlag zu passen. Ein Schwachpunkt der Theorie ist auch, dass über Theia kaum etwas bekannt ist. Es ist eine Art freier Parameter, mit dem sich die Ergebnisse der Rechnungen an die Messwerte anpassen lassen. Inzwischen gibt es eine Menge weiterer Hypothesen über die Entstehung des Mondes: Der Mond könnte sich von der sehr schnell rotierenden Urerde durch eine Art „Pirouetten-Effekt“ abgeschnürt haben (Abspaltungshypothese), der Mond könnte sich gleichzeitig mit der Erde aus der um die Sonne kreisenden Urwolke gebildet haben (Doppelplanethypothese) oder der Mond könnte sich anderswo im Sonnensystem gebildet haben und von der Erde eingefangen worden sein (Einfanghypothese).]

Die Impakt-Theorie kann aber am besten Größe und Orbit des Mondes erklären. Für ihre Richtigkeit sprechen auch die auffälligen chemischen Ähnlichkeiten zwischen Mond- und Erdgestein, beispielsweise die fast identischen Isotopenverhältnisse des Sauerstoffs auf beiden Himmelskörpern. Die Theorie erklärt auch den Mangel an flüchtigen Elementen wie Natrium und Kalium, die schon bei relativ niedrigen Temperaturen verdampfen und bei der hitzigen Kollision wohl ins All entwichen sind.

Wirkung des Mondes

Gezeiten

Der Mond übt aufgrund seiner relativ großen Masse und seiner Nähe einen relativ großen gravitativen Einfluss auf die Erde aus (wie natürlich umgekehrt auch die Erde auf den Mond). Auf unserem Heimatplaneten zeigt sich dieser besonders in den Ozeanen. Während auf der dem Mond zugewandten Seite durch die Gravitation des Mondes ein Wasserberg entsteht, verursachen die Fliehkräfte infolge der Erdrotation auf der dem Mond abgewandten Seite gleichzeitig einen zweiten Wasserberg.

Da die Erde quasi unter den Flutbergen wegrotiert, hat es den Anschein, dass diese synchron zum Mond von Ost nach West über die Erde wandern. Im offenen Meer merkt man von den ungefähr eine halben Meter hohen Gezeitenebergen wegen fehlender Referenzpunkte kaum etwas. Wenn sie gegen das Festland anlaufen, erzeugen sie aber regelmäßig die bekannten Erscheinungen Ebbe und Flut. An trichterartigen Flussmündungen, Meerengen und ähnlichen Küstenformationen können die Wellenberge dabei hoch aufgetürmt werden, so dass die Unterschiede zwischen Hoch- und Niedrigwasser (der Tidenhub) groß sein können, an der Kanalküste zwischen England und Frankreich sogar bis zu 14 Meter. Ebenfalls ortsabhängig sind zeitliche Verschiebungen oder gar der kuriose Effekt, bei dem die Gezeiten einander so überlagern, dass sie sich gegenseitig auslöschen.

Zusätzlich zu der Schwerkraft des Mondes und der Fliehkräfte infolge der Erdrotation wirkt die Schwerkraft der Sonne auf das Wasser der Erde ein. Dabei beträgt das Kräfteverhältnis der Gravitation Sonne zu Mond 1 zu 2,7; ohne den Mond fielen die Gezeiten also um zwei Drittel schwächer aus. Stehen Sonne, Mond und Erde in einer Linie (bei Voll- und Neumond), verstärkt dies die Gezeiten, da sich die Einflüsse von Sonne und Mond addieren („Springflut„). Steht die Sonne im rechten Winkel (bei Halbmond), so schwächen die von der Sonne verursachten Ebbegürtel die Flutberge, da sich die Gezeitenkräfte von Sonne und Mond teilweise aufheben („Nippflut„).

Aber nicht nur das Meerwasser hebt und senkt sich infolge der Gravitation des Mondes zweimal täglich, sondern auch Kontinente und Meeresböden, mit etwa zwei Stunden Verzögerung auf das leichter verformbare Wasser. Dabei wirken sich die Gezeitenkräfte nicht unmittelbar auf die relativ starre Erdkruste aus, sondern vor allem auf das Magma darunter. Es kommt zu Hebungen und Senkungen des Erdmantels, die sich auf die Kruste übertragen. Davon, dass sich der Boden unter unseren Füßen um durchschnittlich 28 Zentimeter hebt und senkt, merken wir – zumindest bewusst – nichts, weil ganze Kontinente zugleich emporgehoben oder gesenkt werden.

In der Anfangszeit übte der Trabant einen noch viel stärkeren Einfluss auf die Erde aus. Sein Abstand betrug kurz nach seiner Entstehung nur schätzungsweise 60 000 bis 80 000 Kilometer. Seine dadurch stärkere Anziehungskraft muss den Boden um mehr als sieben Meter angehoben haben. Lokale Erdbeben rüttelten wahrscheinlich unseren Planeten gehörig durch, wenn der Mond vorbeizog. Da, wo es Wasser gab, türmten sich gewaltige Flutberge auf.

Unser Planet wird entlang der Verbindungslinie Erde-Mond in die Länge gezogen, da die dem Mond zugewandten Teile der Erde eine etwas größere Schwerebeschleunigung erfahren als die ihm abgewandten und so der frei fallende Erde ein wenig vorauseilen. Da die festen und flüssigen Bestandteile unseres Planeten der Deformation durch die Gezeiten Reibungswiderstand entgegensetzen, wird Wärmeenergie erzeugt. Nach Berechnungen von französischen Wissenschaftlern könnte sich durch die ständige Verformung des Erdkörpers infolge der Gravitationskräfte von Sonne und Mond im Erdinneren so viel Wärme entwickelt haben, dass dadurch die gigantischen Vulkanausbrüche, die im Laufe der Erdgeschichte auftraten, verursacht wurden.

Erdrotation

Die Erde rotiert wie ein Kreisel um eine Achse, deren Schnittpunkte mit der Erdoberfläche die geografischen Pole markieren. Diese Rotationsachse ist gegenüber der Ebene, in der die Erdbahn um die Sonne liegt (die Ekliptik-Ebene), gekippt – heute um einen Betrag von 23,4°. Die Neigung ist aber nicht stabil. Schon bei ihrer täglichen Umdrehung trudelt der Erdkreisel ein wenig hin und her. Gleichzeitig durchläuft er viel größere und langfristigere Schwankungen, die als Präzession bezeichnet werden. Dabei ändert er seine Ausrichtung zur Ekliptik kreisförmig in einem Rhythmus von knapp 26 000 Jahren. Ursache sind die Gezeitenkräfte der Sonne, des Mondes und der Planeten, durch die Drehmomente entstehen, deren Effekte zwar sehr gering sind, sich aber über lange Zeiträume bemerkbar machen.

Insgesamt übt der Mond aber eine stabilisierende Wirkung auf die Lage der irdischen Rotationsachse aus, indem er durch seine Gravitation für eine geringere Schwankungsbreite der Erdneigung sorgt. Damit hält er das irdische Klima und den Ablauf der Jahreszeiten relativ konstant, was gerade für die Evolution komplexer Lebensformen von großer Bedeutung war und für ihr Überleben wichtig ist.

Zudem bremst der Mond auch die Geschwindigkeit, mit der die Erde um ihre Achse rotiert (derzeit 460 m/s), da die festen und flüssigen Bestandteile der Erde der Deformation durch die Gezeiten kontinuierlich Reibungswiderstand entgegensetzen (s. o.). Ohne Mond würde die Erde heute fünfmal, vielleicht sogar neun- bis zehnmal so schnell rotieren. Das Wetter wäre ganz anders; es käme z. B. zu andauernden starken Stürmen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 500 Stundenkilometern. Die Pflanzen müssten unter diesen Bedingungen niedriger wachsen und könnten so das überschüssige Kohlenstoffdioxid nur langsamer abbauen, was zu einem Treibhauseffekt ähnlich wie auf der Venus führen würde.

Da durch den Einfluss des Mondes die Erdrotation im Laufe der Zeit also immer mehr gebremst wird, werden die Tage auf unserem Planeten zwangsläufig länger. Nach Sedimentanalysen des Geologen George Williams dauerte der Tag vor 2,5 Milliarden Jahren ungefähr 20 Stunden, in der Kreidezeit (vor rund 145 bis 66 Millionen Jahren) etwa 23 1/2 Stunden. Im Mittel werden die Tage pro Jahrhundert um 1,7 Millisekunden länger. In 1,8 Milliarden Jahren wird ein Erdentag 35 Stunden dauern.

Die Verlangsamung der Erdrotation verlief und verläuft allerdings nicht gleichmäßig. Nach historischen Daten nahm die Tageslänge während der vergangenen 2500 Jahre sogar um etwa 0,6 Millisekunden pro Jahrhundert zu, was mit dem Abschmelzen der Polkappen und Gletscher innerhalb der vergangenen 10 000 Jahre zusammenhängt.

Entsprechend der Änderung der Tageslänge verringert sich auf die Dauer die Anzahl der Tage im Jahr. Waren es vor etwa 820 Millionen Jahren noch 440 Tage, umfasste ein Jahr in der Kreidezeit nur noch 372 Tage, heute etwas über 365 Tage.

Das Spiel der Kräfte ist letztlich auch dafür verantwortlich, dass sich der Mond allmählich immer mehr von der Erde entfernt. Während die Erde nämlich immer weiter an Drehimpuls verliert, gewinnt der Mond diesen laut dem Gesetz der Drehimpulserhaltung in gleichem Maße hinzu. Der Drehimpuls ist das Produkt aus der Geschwindigkeit einer Masse und ihres Abstand von der Drehachse. Der Gesamt-Drehimpuls in einem geschlossenen System bleibt – wie auch die Gesamt-Energie – immer erhalten, so auch in dem weitgehend isolierten System Erde-Mond. Damit also die Drehimpulsbilanz stimmt, muss, wenn die Erde langsamer wird, der Mond schneller werden.

Hinzu kommt, dass durch die von der Drehung der Erde nach vorne geschobenen Flutberge eine Ausbuchtung auf die Erde entsteht, die der Bewegung des Mondes vorausläuft. Diese beschleunigt über die Gravitationskraft dessen Bewegung. Da die Masse des Mondes aber unverändert bleibt, muss sein Abstand wachsen: Der Mond entfernt sich von der Erde. Nach dem zweiten Keplerschen Gesetz müsste die Bahngeschwindigkeit allerdings mit dem größeren Abstand wieder abnehmen – der Mond wird dadurch also langsamer. Dieser zweite Effekt ist aber kleiner, so dass sich insgesamt die Bewegung des Mondes beschleunigt und er sich deshalb immer weiter von der Erde entfernt.

Die Kräfte, die Mond und Erde zusammenhalten, werden heute schwächer. Jahr für Jahr entfernt sich der Mond um circa 3,7 Zentimeter. In etwa einer Milliarde Jahren wird sein Einfluss so schwach sein, dass er die Erdachse nicht mehr stabil halten kann und die Erde zu taumeln beginnt. Und in einigen Milliarden Jahren wird unser Heimatplanet seinen Begleiter ganz verlieren.

Leben

Die Gezeiten wirkten bei der Evolution des Lebens als Beschleuniger, weil sie für eine ständige Durchmischung der Nährstoffe und Mineralien (in Sedimenten vom Land und aus dem Meer) sorgen. Dies war eine wichtige Voraussetzung, dass sich der Reichtum an Lebensformen im Meer entwickeln konnte. Ohne Mond wäre wohl alles langsamer gegangen. Die Gezeiten waren sicher auch bedeutsam für die Tatsache, dass sich das Leben aus dem Meer zuerst auf den Stränden und dann über das eigentliche trockene Land ausbreitete.

Offenbar beeinflusst die Anziehungskraft des Mondes sogar den Wasserdurchlauf im Inneren der Bäume, also den rhythmischen Austausch von Wasser zwischen den lebenden Zellen des Holzes und dem toten Gewebe aus abgestorbenen Zellwänden. Der Durchmesser der Baumstämme nimmt mit der Periode des Mondumlaufs um bis zu mehrere Zehntel Millimeter zu und ab.

Das sichtbare Mondlicht ist zwar ein Nichts im Vergleich zur Sonnenstrahlung. Selbst in hellsten Nächten bringt es der Mond auf nur 0,25 bis 0,5 Lux (ein Lux entspricht etwa der Leuchtkraft einer Kerze); die Sonne schafft bei klarem Himmel leicht 100 000 Lux. Trotzdem übt Mondlicht offensichtlich eine starke rhythmische Wirkung auf Pflanzen und Tiere aus. Dabei unterscheidet man fünf Hauptrhythmen des Mondes: Vollmond, Neumond, Erdferne des Mondes, auf- und absteigender Mond.

Pflanzen haben die stärkste Abhängigkeit, weil sie am stärksten auf äußere Zeitgeber reagieren. Während die eine Pflanzenart stärker auf den Vollmond- oder Neumondrhythmus anspricht, reagieren andere stärker auf den auf- und absteigenden Mond. Eine der ersten Aufgaben des Nervensystems primitiver Organismen war es, die Lichtreize der Umwelt zu verarbeiten. Zu ihnen gehört neben dem Tag-und-Nacht-Rhythmus auch der monatliche Lichtwechsel des Mondes. Daher könnte lunear beeinflusstes Verhalten auch bei höheren Tieren – und vielleicht sogar beim Menschen -ein Überbleibsel aus der Evolution des Nervensystems sein.

Bei etwa 1000 heute lebenden Tierarten wurden Mondrhythmen wissenschaftlich nachgewiesen. Viele Organismen haben ihr Verhalten bzw. ihre Lebensorganisation im Laufe der Evolution in der Weise an Gezeiten und Mondphasen angepasst, dass sie die äußeren Veränderungen durch physiologische Prozesse sozusagen vorwegnehmen. Vor allem im Ozean ist eine Orientierung an den Mondrhythmen weit verbreitet. So schlüpfen und schwärmen beispielsweise Wattwürmer ausschließlich bei Voll- und Neumond, wenn sich das Wasser weit zurückzieht, wobei das Mondlicht nachgewiesenermaßen als Signal dient. Mondzyklisches Verhalten gibt es auch bei höheren Meeresorganismen: Bei Ährenfischen findet z. B. die Fortpflanzung (Ablaichen und Befruchten) und das Ausschlüpfen der Jungen nur bei einer Springflut (s. o.) statt. Meeresschildkröten legen ihre Eier bei Vollmond (selbst wenn er wegen Wolken nicht zu sehen ist) ab, wenn der höchste Wasserstand herrscht, da dann der anstrengende Weg an Land und wieder zurück ins Meer weniger weit ist.

Ein eindrucksvolles Beispiel ist auch der Regenwurm, der einen Jahres- und einen Tagesrhythmus hat und am stärksten bei Neumond – mit einem Nebenmaximum bei Vollmond – tunnelt , und wenn der Mond im Tagesverlauf am tiefsten am Horizont steht. Die Frage ist immer, ob die Rhythmen exogen sind, also Reaktionen auf periodisch wechselnde Umwelteinflüsse, oder endogen, also von den Organismen hervorgebracht (angeboren) sind. Zumeist ist die innere Uhr auf äußere Auslöser oder Zeitgeber angewiesen, und diese exogene Rhythmik ist wieder endogen abgesichert.

Mensch

Bisher können die weitaus meisten wissenschaftlichen Studien keinen Einfluss der Mondphasen auf den Menschen belegen. Schweizer Forscher haben aber jetzt entdeckt, dass der Vollmond trotz seiner relativ geringen Lichtintensität Schlafstörungen verursachen kann. Es könnte sogar ein Zusammenhang zwischen den Mondphasen und der Schlafdauer bestehen. In Nächten kurz vor dem Vollmond gingen Menschen später zu Bett und schliefen weniger. Das gelte kulturübergreifend und für Stadt- und Landbewohner. Der Spiegel des Müdigkeitshormons Melatonin war in den Untersuchungen erniedrigt, die Tiefschlafphasen um 30% reduziert. Auch subjektiv gaben die Probanden an, schlechter geschlafen zu haben.

Festgestellte Korrelationen zwischen Beobachtungen sind jedoch kein Beweis für ursächliche Anhängigkeiten. Letztere können nur dingfest gemacht werden, wenn sich auch die Mechanismen angeben lassen, über welche der Mondzyklus biologische Vorgänge auf der Erde beeinflussen kann. Über die Ursache einer eventuellen Synchronisation zwischen Schlaf und Mondphasen kann aber nur spekuliert werden. Vermutlich sind die Muster eine angeborene Anpassung, die es unseren Vorfahren ermöglichte, vom natürlichen Abendlicht während bestimmter Mondphasen zu profitieren. Die Angehörigen der Toba/Qom, einer indigenen Bevölkerungsgruppe in Südamerika, haben berichtet, helle Mondnächte seien früher zum Jagen und Fischen genutzt worden.

Es könnte auch sein, dass die Netzhaut bei Vollmond empfindlicher ist als bei Neumond. Dieses Phänomen wurde bei Guppys festgestellt, könnte aber bei allen Wirbeltieren, also auch beim Menschen, auftreten, wie manche Forscher meinen. Anscheinend variieren auch die Empfindlichkeiten der Augen für die Farben Orange und Hellgrün sowie die Harnsäurewerte mit den Mondphasen.

Der Menstruationszyklus dauert im Schnitt 28 bis 30 Tage und entspricht so in etwa dem auf die Erde bezogenen Umlauf des Mondes, d. h. der Zeit zwischen zwei gleichen Mondphasen (z. B. von Neumond zu Neumond; synodische Messung), die etwa 29,5 Tage beträgt. [Die siderische Messung des Mondumlaufs orientiert sich an der Position des Trabanten vor dem Sternenhimmel. Sie misst die Zeit, die er benötigt, um zweimal hintereinander an einem bestimmten Stern vorbeizuziehen (circa 27,3 Tage).]

Nach neuesten Untersuchungen könnte es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem Beginn des Zyklus und den Mondphasen geben. Allerdings währt eine solche synchrone Phase in den meisten Fällen relativ kurz und tritt nur unter besonderen Bedingungen auf: Nur wenn der Menstruationszyklus länger als 27 Tage dauert, bleibt er für eine Weile entweder mit Vollmond oder Neumond synchron. Aus den Untersuchungen ging auch hervor, dass Schwangerschaften bei einer Zykluslänge von 29,5 Tagen (entspricht dem synodischen Mond; s. o.) wahrscheinlicher sind.

Dabei spielt wohl auch die Schwerkraft eine Rolle – auch wenn das Mondlicht der wichtigste Zeitgeber ist. Ein Zusammenhang zwischen Mond und Menstruation war nämlich besonders oft in jenen Jahren zu beobachten, in denen Sonne, Mond und Erde auf ungefähr einer Linie lagen und der Mond der Erde am nächsten war, beispielsweise zuletzt 1997 und 2015.

Der Einfluss des Mondes auf den Menstruationszyklus scheint aber insgesamt eher schwach zu sein. Bis heute wurde kein Nachweis dafür erbracht, dass der Zyklus von überdurchschnittlich vielen Frauen exakt mit dem Mondrhythmus zusammenfällt. Einige Forscher mutmaßen zwar, dass der Menstruationszyklus einst tatsächlich an den Mond gekoppelt war, aber durch den modernen Lebensstil (z. B. Einfluss von Kunstlicht) verloren gegangen sei. Viele Wissenschaftler zweifeln aber grundsätzlich eine biologisch relevante Beziehung zwischen Menstruationszyklus und Mondphasen an und gehen allein von einem endogenen Rhythmus aus. Die ungefähre zeitliche Übereinstimmung wäre also reiner Zufall. Schließlich haben auch Mäuse und andere Säuger ganz verschiedene Fruchtbarkeitszyklen.

Im Laufe der Geschichte wurde dem Mond oft eine geheimnisvolle Wirkung zugeschrieben. Der zunehmende Mond soll fördern, was wächst und gedeiht, und der abnehmende Mond hemmen und vernichten, was unwert ist und verschwinden muss. Noch im ausgehenden 18. Jahrhundert versprachen „Monddoktoren“ Heilung mit Hilfe des Mondlichts, das sie auf die betroffenen Körperteile des Erkrankten scheinen ließen. Auch heute noch hat der Glaube an die Kräfte des Erdtrabanten nichts von seiner Faszination eingebüßt. Die moderne Mond-Esoterik bedient ein Bedürfnis nach Orientierung besonders bei Themen, die sich der Kontrolle und Berechenbarkeit ansonsten weitgehend entziehen.

Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt ist zu sagen, dass die Mondkräfte vernachlässigbaren Einfluss auf uns haben. Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass an Vollmond nicht mehr Kinder geboren werden als sonst, oder dass nicht mehr oder Schlimmeres (wie Unfälle, Verbrechen) an Vollmond-Tagen geschieht. Es war oft nur der subjektive Eindruck, der zu solchen Behauptungen führte – ein Problem der selektiven Wahrnehmung der Realität. Auch Schlafwandeln tritt nicht, wie behauptet, abhängig von der Mondphase auf. Es gibt zwar Hinweise, dass Schlafwandler auf Licht zusteuern, doch das kann in Städten auch die Leuchtreklame sein, und nicht unbedingt der Mond.

Durch die Gravitation des Mondes schwankt nach neuesten Messungen unser Gewicht um 19 Milligramm, also eigentlich nichts, was eine Wirkung verursachen könnte. Forschern am CERN in der Nähe von Genf (Schweiz) fielen bei ihren Kollisionsexperimenten minimale, aber doch störende Einflüsse (Energieschwankungen) auf, die genau der Kurve der Erd-Gezeiten folgten. Sie stellten fest, dass durch die winzigen Gravitationsschwankungen Neutronen schwerer oder leichter werden. Neutronen gibt es auch in unseren Zellen!

Da in unserem Nervensystem winzige Mengen Gleichstrom fließen, können elektromagnetische Felder die elektrische Leitfähigkeit in den Nerven unseres Gehirns stören und z. B. die Reizschwelle für die Auslösung von Nervenimpulsen verändern. Das irdische Magnetfeld ändert sich je nach Mondstand – allerdings nur um eine Winzigkeit. Unser Nervenkostüm ist in der Lage, auf diese Schwankungen zu reagieren, da Verstärkerknoten in unserem Nervengewebe die Aktivität elektrischer Impulse erhöhen können. Erwiesenermaßen reichen schon minimalste Ausschläge des Magnetfelds aus, um Menschen in gereizte Stimmung zu versetzen,

Der Mond, schrieb der englische Dichter Lord Byron, beherrsche die Narren, die Flut der Meere, das Hirn vernünftiger Wesen und manchmal auch ihr Herz. Das Wort „launisch“ stammt von „luna“.

REM

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